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Brennende Unschärfe - offener Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga

Freitag, 21. September 2018

Von Paola De Martin

 

Die Autorin, heute ETH-Doktorandin, im Alter von 11 Jahren mit ihrem Vater, Rodolfo De Martin, Bauarbeiter, an einer Festa degli emigranti in der Nähe von Zürich (1976). Fotographie: Privates Archiv der Autorin. Copyright Paola De Martin.

„Natürlich sollten wir zum Beispiel den ETH-Professoren aus dem Ausland das Recht geben, mit ihren Kindern in die Schweiz zu kommen, aber doch nicht den Arbeitern auf dem Bau und in der Landwirtschaft oder den Leuten im Gastgewerbe. Das ist doch nicht nötig, von denen gibt es ja genug.“
(Luzi Stamm, SVP-Vertreter, in einem Interview mir Radio SRF, nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative, 2014).

Sehr geehrte Frau Bundesrätin Sommaruga

Ich schreibe Ihnen, Justizministerin dieses Landes, einen offenen Brief mit einem öffentlichen und politischen Anliegen, das sich in meiner persönlichen Geschichte eingeschrieben hat. Diese Geschichte prägt meine Erinnerung, mein Fühlen und Denken und trotzdem habe ich lange eine ehrliche Sprache dafür suchen müssen, weil die öffentliche und politische Schweiz sich bis heute nicht um eine ehrliche Sprache bemüht. Ich nenne diese Geschichte deshalb die Geschichte unserer brennenden Unschärfe.

1984

Das erste Mal, als ich diese brennende Unschärfe wahrgenommen habe, war wenige Monate vor meinem 19. Geburtstag. Ich stand kurz vor der Matur, und war gerade im Einbürgerungsprozedere, um den Schweizer Pass zu bekommen. Ich musste belegen, seit wann ich in der Schweiz wohnhaft gewesen war. Meine Eltern hatten mir immer erzählt ich hätte als Kind von Saisonniers in der Schweiz kein Aufenthaltsrecht gehabt. Sie hätten mich im Alter von wenigen Monaten im Winter 1965/66 bei meinem Onkel und meiner Tante in Italien unterbringen können – Gott sei Dank. Dann sei ein gutes Jahr später meine Schwester auf die Welt gekommen, der Vater habe zeitgleich den Status als Jahresaufenthalter bekommen und ich sei im August 1967 legal in Begleitung meiner Tante in die Schweiz eingereist. Aber anstatt August 1967 stand da November 1968 im Auszug aus dem Einwohnerregister der Stadt Zürich – eine Differenz von fünfzehn Monaten. Ich fragte meine Eltern, was das zu bedeuten hatte, sie wichen aus. Ich fragte wieder und wieder. Sie verstrickten sich in Widersprüche, sie wurden wütend. Ich liess es sein.

1996

12 Jahre später kam der entscheidende Kick von meiner Mutter. In einem Zürcher Kino lief Il vento di settembre, das Sequel von Alexander Seilers und June Kowatschs subtilem Dokumentarfilm von 1965 in Schwarz-Weiss, Siamo Italiani – Die Italiener. Der neue Film war ein seltsam süssliches und zugleich bedrückendes Filmportrait in Farbe derselben Fremdarbeiter-Familien, nur 30 Jahre später. Ich schaute mir den Film mit meinen Eltern und meiner Schwester an. Melancholie breitete sich aus, als wir den Kinosaal verliessen, niemand schien etwas sagen zu wollen. Ich dachte, es hätte damit zu tun, dass meine Eltern kurz zuvor, nach einem halben Leben in der Schweiz, nach Italien zurückgekehrt waren. Es war im Grunde keine Rückkehr, sondern eine zweite, nicht ganz gewollte Migration gewesen, unter der meine Mutter schwer litt. Sie brach dann auch das Schweigen und sagte zu mir: Eh, sì, che tristezza, was musste man nicht alles ertragen, wir haben unsere Kinder heimlich über die Grenze geschmuggelt, wie Diebe, wir haben sie versteckt. Ich dachte: Wir – wer ist Wir? Ich traute mich zwar nicht zu fragen, aber das unterschwellige Wissen brannte darauf, an die Oberfläche zu kommen. Ich begann den Fokus zu schärfen. Zuhause kramte ich nach einer Fotographie, die ich vor wenigen Jahren im Wohnblock meiner Eltern in Zürich gemachte hatte. Mehrere Kinder sind auf diesem Foto zu sehen, mit denen meine Mutter über die Jahre oft gespielt und am Küchentisch gelernt hatte, weil sie nicht in die Schule gingen. Diese und andere Kinder, die kamen und gingen, man wusste nie wann und weshalb – ich hatte mich so daran gewöhnt, dass ich das nie hinterfragt hatte. Sie durften kein Aufsehen erregen, das war mir klar und wir, unsererseits, hatten uns ganz bestimmt nicht aufgeregt, dass sie in diesem Wohnblock versteckt gehalten wurden. Aus einem Instinkt heraus, dass ihre Sichtbarkeit auf einem Foto eine besondere Bedeutung für mich haben könnte, hatte ich sie fotografiert. Und obwohl sie gewusst haben mussten, dass sie unsichtbar bleiben sollten, taten sie doch, was die grosse Paola ihnen sagte: Stellt euch hin, schnellschnell, dai, che vi faccio una foto! Das Foto wurde in der Eile unscharf und diese Unschärfe regte mich damals auf. Nachdem nun meine Mutter dieses Wir ins Spiel gebracht hatte, frage ich mich heute: War nicht gerade die Unschärfe – gebannt auf einer Fotographie – ein präziser Ausdruck für meinen Zustand? Ich wollte und wollte doch nicht verstehen, welches Schicksal mich mit diesen Kindern verband.

2006

Es dauerte noch einmal 10 Jahre, bis es soweit war. Ich sass in einer Vorlesung der Uni Zürich über Sozial- und Wirtschaftsgeschichte und es ging um die Schwarzenbachinitiativen und den Überfremdungsdiskurs der 1970er Jahre, um den Beitritt der Schweiz zur UNO 1992 und um die definitive Abschaffung des Saisonnierstatuts 2002 im Zusammenhang mit der Personenfreizügigkeit mit der EU. Es ging um die erlittenen Menschenrechtsverletzungen der Saisonniers im Zusammenhang mit dem verhinderten Familiennachzug und den Tausenden von versteckten Kindern. Mir pochte das Herz rasend. Und erst da wurde mir in aller Schärfe bewusst, dass die Differenz zwischen August 1967 und November 1968 mit meinem Versteckt werden zu tun hatte.

Die brennende Unschärfe, welche das verschwiegene Wissen verursacht, ist Ausdruck des Versuchs, die Tragik zu bannen und gleichzeitig Zeugenschaft abzulegen. Seit Jahrzehnten sind Tausende von ehemaligen Saisonnierfamilien und Tausende Secondos und Secondas in diesem Land in einem Schwebezustand gefangen: wir sind hier, vielleicht gegen aussen sogar gut integriert, vielleicht sogar eingebürgert – und doch trennt uns die unsichtbare Wand dieser nicht anerkannten Verletzung voneinander und von jenen, die diese Verletzung nicht erleiden mussten. Eine halbe Million Italiener lebten bis zu den Ölkrisen der 70er Jahre in der Schweiz, heute ist es immer noch die grösste Minderheit. Jeder kennt uns, jeder kennt irgendeinen pensionierten Italiener oder einen ihrer Nachkommen, aber was weiss die breite Öffentlichkeit von unserem Trauma? Aus dieser Isolation können wir nur befreit werden, wenn die Öffentlichkeit daran teilhat, es braucht eine echte Auseinandersetzung mit den bisher getrennten Ebenen der Erfahrung – a genuine confrontation between two levels of experience – , wie James Baldwin das in Bezug auf die Rassendiskriminierung in den USA nennt. Eine echte Auseinandersetzung, das möchte ich betonen, ist eine öffentliche Angelegenheit, die mehr umfasst, als das Saisonnierstatut juristisch abzuschaffen und auf die besänftigenden Effekte des materiellen Wohlstands zu vertrauen, mehr auch, als auf die Karte des Multikulturalismus zu setzen. Zu glauben, das allein heile die gesellschaftlichen Wunden, die Menschenrechtsverletzungen hinterlassen haben, das war die grosse Illusion der letzten Jahrzehnte. Diese Illusion platzte mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9. Februar 2014.

2014-1965

Der Passus im Initiativtext lautet: „Der Anspruch auf dauerhaften Aufenthalt, auf Familiennachzug und auf Sozialleistungen kann beschränkt werden.“ Das Menschenrecht auf Einheit der Familie ist, laut dem neuen Verfassungstext, nach den „gesamtwirtschaftlichen Interessen der Schweiz“ auszuteilen, als wäre ein Menschenrecht ein Privileg. Wie das Eingangszitat von Luzi Stamm zeigt, sollte es nach dem Prinzip verteilt werden: Wer Geld und Prestige hat, dem wird auch das Menschenrecht gegeben. Meine Mutter sprach mich auf diese Debatten an. Sie hatte am italienischen Fernsehen davon gehört und fragte mich unvermittelt, wie es mir ginge. Ich sagte, etwas überrascht von ihrer plötzlichen Offenheit: Mamma, sie haben die Möglichkeit eines beschränkten Familiennachzugs wieder in die Verfassung gebracht, mir geht es ganz und gar nicht gut. Und sie: Ja, ich weiss, schrecklich. Ab diesem Moment gab es ein Zeitfenster von etwa einem Jahr, in welchem vor allem meine Mutter und manchmal auch mein Vater bereit waren, mir von ihrem Trauma zu erzählen. Ich möchte das betonen: primär ist es ihr Trauma, denn ich war zu klein, um bewusst erlebt zu haben, was man uns angetan hat. Sie erzählten von der demütigenden Beamtenwillkür bei der Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen, von der Angst, entdeckt zu werden und in der Folge die Stelle zu verlieren, wenn meine Schwester und ich zuhause laut weinten, von der Abhängigkeit und Dankbarkeit gegenüber dem Arbeitgeber meines Vaters, weil er sie nicht bei der Polizei verraten hat, von der Reise meiner Mutter ohne mich, ihrem ersten Kind, kaum drei Monate alt, aus Italien zurück in die Schweiz, wo es Arbeit gab, wo man beim Arbeiten Geld verdienen konnte, wo die Wohnungen im Winter geheizt wurden. Ich überwand meine Furcht, ihr zu nahe zu treten und fragte vorsichtig: Il viaggio, mamma, com’era stato? Wie war denn diese Reise, Mamma? Sie senkte den Blick, und das werde ich nie vergessen, wie sie leise sagte: Terribile.

1965-2018

Schrecklich, Frau Bundesrätin, die Ohnmacht der eigenen Eltern zu ertragen, die vom Gesetz daran gehindert wurden, ihre Kinder zu umsorgen. Das ist mein Trauma. Die Ohnmacht kann im Übrigen so gross sein, dass es manchmal sogar besser erschien, zu glauben, man sei selber schuld gewesen am Schicksal, das einem aufgezwungen wurde. Dieses Muster erkenne ich heute wieder bei meinen Freunden und Freundinnen aus Syrien, die flüchten mussten. Bei meinen Eltern äusserte sich das ein Jahr nach der Annahme der MEI so: Als ein Journalist der Italienischen Tageszeitung Il Corriere della Sera meinen persönlichen Kommentar zur MEI wissen wollte, rief ich schnell meine Mutter an, ich wollte gewisse Daten und Fakten noch einmal prüfen. Ich ging davon aus, dass sie mit mir darüber reden mag. Sie sagte, mürbe und dumpf: Lass mich bitte in Ruhe, ich kann nicht mehr, wir waren doch einfach dumm damals und schlecht informiert, was konnte die Schweiz dafür? Nichts. Sie sagte auch: Ich mag es nicht, wenn die Italiener schlecht über die Schweiz reden, was blasen sie sich auf, sie sind kein bisschen besser, die Journalisten wollen dich doch nur missbrauchen für einen Skandal, der Kasse macht. Und mein Vater doppelte nach, bevor er den Hörer auflegte: Was willst du wieder, du warst halt eine von den Illegalen, ja, die wir verstecken mussten, so etwas kommt vor.

So etwas kommt vor, Frau Bundesrätin, auch heute noch. Wie viele Eltern verstecken heute ihre Kinder, weil sie illegalisiert werden? Kurzaufenthalter, Flüchtlinge, Sans Papiers – und wenn es nach dem neuen Verfassungsartikel geht, bald auch wieder neue Saisonniers, auch wenn man sie heute vielleicht anders nennen wird. Deshalb gelange ich mit diesem öffentlichen Brief an Sie. Heute werden Italiener als Parade-Migranten und Lieblings-Ausländer betitelt, es ist nur ein Trick, um uns von denen zu trennen, die jetzt dasselbe erleben wie wir damals. Welch ein Hunger nach immer neuen Rechtlosen dieses Land doch kennt, kaum hat es die einen ausgesogen und verdaut, kommen schon die nächsten auf den Teller. Ich übernehme hiermit Verantwortung, damit das aufhört, Frau Bundesrätin. Deshalb schreibe ich Ihnen. Wie viele Betroffene reden nicht, weil das Sprechen zu schmerzhaft ist ohne den Schutz einer offiziellen Schweiz, die Verantwortung übernimmt für die ausgeübte Gewalt, zu schmerzhaft ohne die öffentliche Arbeit an einer ehrlichen, gemeinsamen Sprache?

Diese Sprache fehlt uns allen, auch jenen, die das Gewicht der Traumatisierung nicht ertragen müssen. Schauen Sie, Frau Bundesrätin, die meisten Freunde und Bekannten in der Schweiz verstummen verlegen, wenn ich über das Erlittene reden möchte, und sie ändern schnell das Thema. Sie fragen nicht nach. Es macht den Anschein, als ob sie das, was ich ihnen sage, nicht einordnen können, es liegt ausserhalb ihres Vorstellungsvermögens. Eine Freundin sagte zu mir: Ich merke schon, dass Du nicht lügst, Paola, aber wirklich glauben, kann ich es doch nicht, dass so etwas geschehen konnte. Wer darauf eingeht, macht es mit dem ungeduldigen Subtext: Ich hab schon verstanden, hör jetzt endlich auf damit. Ein Kollege aus dem Umfeld der Künste beschwichtigte mich mit dem Argument, das geschehe anderswo doch auch, und eine andere Freundin damit, dass der neue Passus in der Verfassung nicht ernst gemeint sei, er beabsichtige doch nur die nächste, die SVP-Selbstbestimmungsinitiative zu provozieren. Welch ein Trost.

Professoren, die ich für ein gross angelegtes Forschungsprojekt anregen wollte, sagten etwas ungläubig, sie hätten bisher nichts davon gewusst. Einer hielt es für nötig, mich darüber aufzuklären, dass das Saisonnierstatut dem Rotationsprinzip verschuldet sei, man habe mit dem verhinderten Familiennachzug erreichen wollen, dass Ausländer sich nicht integrieren. Als ob ich das nicht gewusst hätte. Ich habe mich, das war mir immer klar, trotzdem integriert und später auch noch den paternalistischen Diskurs ertragen müssen über die Ausländer, die sich nicht integrieren können – oder die freche Unterstellung: nicht integrieren wollen. Zuerst legt man uns Steine in den Weg und dann redet man wortreich über unsere Schwierigkeiten, sie zu überwinden.

Schliesslich wandte ich mich an zwei Verantwortliche der Aufarbeitung der Geschichte der Verdingkinder. Sie sagten mir, ja, nach den Kindern der Landstrasse und den Verdingkindern hätten sie intensiv nach einem weiteren historischen Kinderprojekt zum Aufarbeiten gesucht, sie seien einfach nicht auf dieses Thema gekommen – aber sie signalisierten dann doch Desinteresse an dem, was sie letztlich als mein Thema bezeichneten. Es sei ihnen zu wenig historisch, da zu politisch und sie fänden es nicht so interessant aus der Sicht der Schweizer Mehrheit, weil es keine Schweizer, sondern Ausländer betrifft. Da habe ich begriffen, wie gross die Widerstände gegen die Aufarbeitung wirklich sind.

Mein Thema? Nicht interessant aus der Sicht der Schweizer Mehrheit? Ich bin nicht einverstanden. Wenn die Schweizer Mehrheit denkt, dass Menschenrechtsverletzungen an Ausländern in der Schweiz kein Schweizer Thema sind, dann muss sich das ändern. Ich sage bewusst muss, Frau Bundesrätin, Sie kennen das. Denn ich stehe hier nicht als Bittende vor der politischen Vertretung der Schweiz, sondern als Fordernde. Auch wenn mein Ich unscharf verbunden ist mit Zehntausenden von Anderen, die es jetzt und auf diese Art nicht sagen, ich muss es endlich tun, denn wir haben nicht unendlich Zeit, um unsere gesellschaftlichen Wunden zu heilen. Ich fordere:

  1. dass die Illegalisierung der Kinder von Saisonniers und die damit verbundene Traumatisierung ihrer Familien und ihrer Community in der Schweiz eine politisch angestossene, öffentlich breit und gut vermittelte, historische Aufarbeitung erfährt.
  2. dass die Menschenrechtsverletzungen der Saisonniers von der höchsten politischen Vertretung der Schweiz öffentlich anerkannt und entschuldigt werden, auch wenn sie nach damaligem Recht „legal“ geschahen. Es braucht eine symbolische Geste der Entschuldigung, es ist nicht damit getan, den damaligen Fremdarbeitern für ihre Arbeit am Aufbau der Schweiz danke zu sagen.
  3. dass Hand geboten wird, damit die Betroffenen finanziell entschädigt werden. Die Traumata haben an unseren Res-sourcen gezehrt. Diese fehlten, als wir sie nötig gehabt hätten, um ein Leben in Würde zu führen.

Das schuldet die offizielle Schweiz der italienischen und anderen Communities, die unter der Last der brennenden Unschärfe ausharren. Das schuldet die offizielle Schweiz aber auch jenen, die – gewollt oder ungewollt – einen makabren Vorteil aus diesem Erbe ziehen. Ist das der Grund ihres Schweigens?

Wenn wir nicht anfangen zu fragen, wissen wir es nie.

In Erwartung Ihrer Antwort und mit Hochachtung für Ihre immense Arbeit im Dienst der Öffentlichkeit grüsst Sie

Paola De Martin

ZUR AUTORIN:

Paola De Martin (1965) ist Primarlehrerin, Textildesignerin und Historikerin. Sie arbeitete als wissenschaftliche Assistentin von Prof. Dr. Philip Ursprung am Institut gta für Geschichte und Theorie der Architektur der ETH Zürich, wo sie auch ihre Dissertation schreibt. Darin untersucht sie die Ästhetik der sozialen Ungleichheit in Zürich anhand der Lebensgeschichten von Arbeiterkindern, die Designerinnen wurden. Paola De Martin ist aktives Mitglied des Schweizer Netzwerks Designgeschichte und der Design History Society. Sie lehrt Designgeschichte und Interkulturalität an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK.

KONTAKT:
paola.de.martin@gta.arch.ethz.ch

 

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