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Wie weiter mit Migration, Vielfalt und Antirassismus? Die Schweiz braucht eine Demokratisierungsbewegung!

Donnerstag, 5. November 2020

Von Kijan Espahangizi

 

Bild: Guadalupe Ruiz, Äpfel und Birnen (2015), mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, lupita.ch

Beitrag veröffentlicht in: Das Denknetz

Der Sommer 2020 stand in der Schweiz nicht nur im Zeichen von Covid19, sondern auch von breiten antirassistischen Protesten. Dass die Black Lives Matter–Bewegung gleichzeitig zum 50. Jahrestag der Abstimmung zur sogenannten Schwarzenbach-Initiative mobilisierte, war Zufall. Das Zusammentreffen der Ereignisse könnte jedoch den Auftakt einer neuen Phase von politischen Auseinandersetzungen um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz bedeuten. Um so wichtiger ist es, sich darüber auszutauschen, wie diese Themen zusammenhängen. Wo gibt es Unterschiede, wo Verbindungen, wo Spannungen und wo Resonanzen? Und vor allem: Ist es möglich, ein gesellschaftspolitisches Projekt zu entwickeln, das in der Lage ist, verschiedene migrationspolitische, diversitätsorientierte und antirassistische Perspektiven in einen produktiven Austausch zu bringen und eine breite solidarische Dynamik zu entwickeln, die die Demokratisierung der Schweizer Demokratie vorantreibt?

Die Schweiz hat sich aufgrund von Einwanderung, Globalisierung und dem gesellschaftlichen Umgang damit tiefgreifend verändert. Etablierte Vorstellungen, Bilder und Geschichten davon, wer die Schweiz ist, wer dazugehört und wer nicht, passen nicht mehr zu einer gesellschaftlichen Realität, in der rund 40% einen Migrationshintergrund haben, und werden zurecht zunehmend herausgefordert. Ein Viertel der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz hat heute kein hiesiges Bürgerrecht – Tendenz steigend. Allein diese Zahlen verdeutlichen, dass es eine neue Debatte zur Frage braucht: Wer ist die Schweiz? Ein Wandel im Selbstbild der Schweiz ist Voraussetzung, um diejenigen Strukturen zu ändern, die über Zugehörigkeit und gesellschaftliche Teilhabe entscheiden. Damit ist nicht nur eine grundlegende Reform des Schweizer Einbürgerungsrechts gemeint, das europaweit mit am restriktivsten ist – , sondern eine Transformation der gesamten Kette von Entscheiden und Weichenstellungen, die eingewanderte Menschen und ihre Nachkommen zur Teilhabe ermächtigt: von der Frage des legalen Aufenthaltsstatus und Niederlassung über die Einbürgerung bis hin zum Umgang mit denjenigen, die zwar eine Schweizer Nationalität haben, aber weiterhin als fremd wahrgenommen werden. Was sind die Herausforderungen und Potenziale einer solchen Demokratisierungsbewegung in Hinblick auf Migration, Vielfalt und Antirassismus?

Bild: Guadalupe Ruiz, Äpfel und Birnen (2015), mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, lupita.ch

Wer soll sich integrieren im Migrationsland Schweiz?

Im Mai 1968 startete die Unterschriftensammlung zur Schwarzenbach-Initiative gegen "Überfremdung von Volk und Heimat". Nur einen Monat später fand nahe Zürich die erste grosse Tagung statt, die der Frage nachging: "Ist die Schweiz ein Einwanderungsland?". Seit über einem halben Jahrhundert ist die Antwort auf diese Frage gesellschaftlich umstritten und die Debatte um Migration bewegt sich zwischen zwei Polen: Überfremdung oder Integration.
Mit dem Inkrafttreten des Ausländer- und Integrationsgesetzes 2019 ist ein Zyklus von migrationspolitischen Kämpfen zum Abschluss gekommen, der in der Ära der «Gastarbeit» in den 1960er Jahren einsetzte und unsere Vorstellungen bis heute prägt. In diesem Kontext entstand in den 1970er Jahren die erste breite solidarische Bewegung, in der sich Schweizer*innen und Ausländer*innen mitenand gegen Diskriminierung und für gleichberechtige Integration (anstatt einseitige Assimilation) einsetzten. Die Aufnahmegesellschaft sollte aktive Massnahmen ergreifen, damit eingewanderte Menschen besseren Zugang zu Sprache, Arbeitsmarkt, Bildung und Wohnraum haben. So ambivalent der Begriff Integration heute ist, dürfen wir nicht vergessen, dass es sich hier lange um ein emanzipatorisches Programm handelte, das bis in die 1980er und 1990er Jahre viele Räume und Möglichkeiten eröffnet hat. Die Wirkung dieser Bewegung auf soziale Aufstiegsmöglichkeiten für Eingewanderte, Bildungswesen, Politik, Arbeitsmarkt, Kultur, Medien oder Alltag etc. ist nicht zu unterschätzen, auch wenn eine grundlegende Reform des Einbürgerungsrechts trotz mehrerer Anläufe bezeichnenderweise nicht durchgesetzt werden konnte.
Gerade auch weil der Begriff der Integration so erfolgreich war, wurde er ab den 1990er Jahren für eine Neuauflage rechtspopulistischer Überfremdungs- und Assimilationsdebatten in Beschlag genommen. Parallel schrieben sich neoliberale Vorstellungen vom "aktivierenden Staat" in die Integrationsdebatte ein, mit der disziplinierenden Maxime "Fördern und Fordern". Integrationsbereitschaft und Integrationsgrad sind daher heute zentrale Entscheidungskriterien bei der ganzen Kette von Härtefall-, Aufenthalts-, Niederlassungs-, Einbürgerungs- und Ausschaffungsentscheiden und wiederkehrende Motive in überhitzten medialen Debatten um Migration. Die darin angelegte Logik des Verdachts öffnet Tür und Tor für soziale Selektion (Sozialhilfe, Schulden, Betreibungen als Ausschlussgrund) und implizite Diskriminierung nach Herkunft. Dieser strukturelle Ausschluss, der mit einem solchen Integrationsverständnis mitproduziert wird, untergräbt Grundprinzipien der Schweizer Demokratie und gefährdet damit deren Zukunft.
Das Projekt Integration entstand in der Schweiz im Geist der 1960er und ist heute in die Jahre gekommen. So basiert es auch auf der Vorstellung, dass sich aufgrund von Einwanderung zwei Gruppen gegenüberstehen – "Schweizer " und "Ausländer" – und es darum ginge, letztere einzugliedern. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist diese Vorstellung zweier gegenüberstehender Gruppen längst obsolet geworden. In Anbetracht von heute rund 40% Schweizer*innen mit Migrationshintergrund, Mehrfachzugehörigkeiten und transnationalen Lebenswelten stellt sich die Frage der Integration nicht mehr in derselben Weise wie noch vor einem halben Jahrhundert. Zudem ist die Einwanderung seit den 1980er Jahren globaler geworden, Formen und Hintergründe der Migration wurden vielfältiger. Die Second@s-Bewegung der 1990er und 2000er Jahre verkörperte diesen Wandel erstmals. Postmigrantische Stimmen, die sich in den letzten Jahren auch in der Schweiz Gehör verschafften, brachten mit dem Slogan "Demokratie statt Integration" einen grundlegenden Perspektivwechsel auf den Punkt. Integration ist für die neuen Generationen kein emanzipatorischer Kampfbegriff mehr, sondern klingt wie eine Zumutung. Die Herausforderung besteht heute darin, wie man dieser veränderten Situation Rechnung tragen kann und zugleich die integrationspolitischen Errungenschaften der früheren Generationen nicht aus dem Blick verliert. Denn diese haben den Raum für postmigrantische Stimmen, die etwa auch in diesem Jahr in den Protesten sichtbar wurden, überhaupt erst geöffnet, etwa durch Förderung sozialen Aufstiegs durch Bildung etc. Integrationsangebote bleiben gerade für neu eingewanderte Menschen also weiter wichtig. Ein Weg bestünde darin, die Frage der Integration nicht einfach abzuschreiben, sondern auf die Gesamtgesellschaft zu übertragen und zu fragen: Was für Anstrengungen müssten gemacht werden, um die Einwanderungsgesellschaft Schweiz als Ganze «in sich» neu zu integrieren, in demokratischer, freiheitlicher, solidarischer und sozial gerechter Weise? Welches gesellschaftliche Selbstbild und welche Strukturen bräuchte es, um einen neuen Gemeinsinn für eine pluralere Demokratie zu stiften?

Bild: Guadalupe Ruiz, Äpfel und Birnen (2015), mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, lupita.ch

Vielfalt oder Einfalt?

Parallel zur Frage der Integration, entwickelte sich in der Schweiz ein Diskurs um migrationsbedingte Vielfalt: Die ersten Ansätze zu einer multikulturellen Einwanderungspolitik reichen in der Schweiz bis in die 1970er Jahre zurück. Im Windschatten der Vorstellung von Integration als strukturelle Öffnung der Aufnahmegesellschaft (und nicht als Anpassung der Eingewanderten) setzten sich Ausländer*innen und Schweizer*innen zusammen für das Recht von Minderheiten ein, die eigene kulturelle Identität auch im Einwanderungsland wahren zu können. Doch erst als die Einwanderung ab den 1980er Jahren globaler und diverser wurde, entwickelte sich in der Schweiz ein zunehmendes Bewusstsein für eine neue dauerhafte ethnische Vielfalt im Land, vor allem in den Städten. Für viele Eingewanderte eröffnete dies neue Möglichkeiten nicht nur der kulturellen Anerkennung, sondern auch der ökonomischen Teilhabe und des sozialen Aufstiegs, im Bildungswesen, als Unternehmer*innen etc.
Auch angeregt von Debatten in anderen Ländern, vor allem in Deutschland, entbrannten in den frühen 1990er erstmals öffentliche Auseinandersetzungen um die Frage, ob die Schweiz eine «multikulturelle Gesellschaft» sei. Leitend waren schon hier die Frage nach den Grenzen der Vielfalt, am Beispiel religiöser Fundamentalismen. In dieser Zeit wurde ein Diskussionsrahmen etabliert, der bis heute die politische Wahrnehmung prägt und polarisiert: Vielfalt wird entweder als Bedrohung der Gesellschaft verstanden oder als Bereicherung. Die Abwehr migrationsbedingter ethnischer Pluralisierung wurde zum Zugpferd einer neuen Rechten, die zunehmend auch Wähler*innen mobilisieren konnte, die sich sozial abhängt fühlen. Auf der anderen Seite wurde das Zelebrieren und Konsumieren von kultureller Vielfalt zunehmend zum Life-Style urbaner kosmopolitischer Milieus. Diese Entwicklung hängt auch mit den Veränderungen des globalen Kapitalismus nach der Krise Mitte der 1970er zusammen, die auch den Alltag in der Schweiz grundlegend verändert haben: Globalisierung von Produktionsketten, Märkten und Kundensegmenten einerseits bzw. Individualisierung und Diversifizierung von Produktpaletten, Konsumangeboten und Zielgruppen andererseits. Städte wie Zürich wurden ab den 1990ern zu global cities. Spätestens im Zeitalter sozialer Medien erweisen sich Konzepte wie Diversität und damit verbunden Identität, längst auch als Jungbrunnen globalisierter ökonomischer Wertschöpfung.
Das Thema migrationsbedingte Vielfalt polarisiert. Diese Konfrontation ist auch deswegen so hartnäckig, weil die zugrundeliegende Spannung zwischen gesellschaftlicher Vielfalt und Einheit in Nationalstaaten angelegt ist und sich nicht einfach auflösen lässt. Auf beiden Extremen produziert sie blinde Flecken. Wer ethnische Homogenisierung fordert, muss darlegen, was mit realexistierender ethnischer Vielfalt passieren soll, ohne zu diskriminieren und demokratische Grundwerte zu gefährden. Wer hingegen Vielfalt begrüsst, muss darlegen, wie ein neuer Gemeinsinn gestiftet werden kann, der die Schweizer Gesellschaft in Zeiten von Migration und Globalisierung zusammenhält und was dessen Grenzen sind. Das gilt umso mehr, als dass die Frage, was eigentlich migrationsbedingte Vielfalt heisst, zwar viele Bilder und Klischees hervorruft, aber letztlich nicht so leicht zu beantworten ist: Handelt es sich um ein Nebeneinander von abgegrenzten soziokulturellen communities mit klar definierten Identitäten, wie im angloamerikanischen Raum eher angenommen wird? Wenn ja, wer definiert und repräsentiert diese? Wie vermeidet man, dass da im Namen der Vielfalt essenzialisierende Vorurteile über "Fremde" und auch "Einheimische" reproduziert werden, die uns wieder in Schubladen stecken? Was machen wir, wenn sich soziale Zusammenhänge im Austausch tatsächlich fortlaufend verändern, vermischen, hybridisieren? Wie lassen sich die postmigrantische Vielfalt und die eidgenössische Vielfalt der Sprachregionen und Dialekte zusammendenken? Wie kann dabei der Graben zwischen Stadt und Land überwunden werden? Eine Möglichkeit diese Ausgangslage für die Zukunft produktiv zu machen, bestünde darin, von einer ergebnisoffenen Frage auszugehen: Migrationsbedingte Pluralisierung hiesse so gesehen, ein verbindliches gesellschaftliches Gespräch darüber zu lancieren, was Vielfalt in einer demokratischen Gesellschaft bedeuten kann und welches Selbstbild bzw. welche Strukturen der Teilhabe eine plurale Demokratie im Zeitalter von Migration und Globalisierung braucht. Es geht um einen transformativen Aushandlungsprozess, der dazu beiträgt, Brücken zu bauen und gleichzeitig Fremdenfeindlichkeit und Rassismus abzubauen.

Bild: Guadalupe Ruiz, Äpfel und Birnen (2015), mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, lupita.ch

(Anti-)Rassismus und postkoloniale Perspektiven

Rassismus hat in der Schweiz eine lange Geschichte und viele Gesichter. In der Zeit des europäischen Kolonialismus, in den die Schweiz auch ohne eigene Kolonien in vielfältiger Weise involviert war, prägten rassistische Vorurteile über vermeintlich "primitive Völker" damals das eigene Selbstverständnis der Schweiz als "zivilisierte Nation". So waren zum Beispiel Völkerschauen – etwa an Landesausstellungen – über eine lange Zeit populäre Spektakel der Schweiz. Rassismus spielte in der Schweiz seit dem 19. Jahrhundert zudem vor allem auch im Umgang mit Einwanderung eine praktische, strukturbildende Rolle. Er legitimierte den Aufbau von Grenzen und einer Fremdenpolizei. Migrationsabwehr, Überfremdungsangst und Rassismus hängen in der Schweiz also seit über hundert Jahren eng zusammen. "Allzu fremde" Menschen sollten nicht in die Schweiz kommen dürfen. im frühen 20. Jahrhundert waren damit zunächst Jüd*innen, Fahrende und ausländische linke Revolutionär*innen gemeint. Und schon seit dem späten 19. Jahrhundert und vor allem dann ab den 1960er Jahren standen Gastarbeiter*innen mehrheitlich aus Südeuropa im Scheinwerferlicht des Rassismus. Als die Einwanderung in die Schweiz in den 1980er Jahren globaler wurde, richtete sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf die neuen Asylbewerber*innen und Flüchtlinge aus Osteuropa, Asien, Afrika und Lateinamerika. Alte, kulturell verankerte kolonialrassistische Vorstellungen wurden nun zunehmend Bestandteil eines vielschichtigen Alltagsrassismus gegenüber den neuen Mitmenschen in der Schweiz.
Fremdenfeindliche und rassistische Vorurteile über Herkunft und Kultur von Einwanderer*innen, und deren vermeintlich fehlendes Potenzial gute Schweizer*innen zu werden, unterfüttern, stabilisieren und legitimieren heute – bewusst oder unbewusst – den selektiven Ausschluss, den das Schweizer Migrationsregime produziert. Sie können wirksam werden, wenn über Zugänge zu gesellschaftlicher Teilhabe entschieden wird, etwa bei Aufenthalts-, Niederlassungs- und Einbürgerungsentscheiden, auf dem Bildungs-, Arbeits- und Wohnungsmarkt oder etwa auch bei polizeilichem Profiling.
Seit den 1960er Jahren hat es in der Schweiz aber immer wieder solidarische Bewegungen gegen rassistische Diskriminierung gegeben. Diese wurden gemeinsam von Menschen mit und ohne Rassismuserfahrung getragen: angefangen von der Zeit der Schwarzenbach-Initiative über die breite Bewegung der 1980er/1990er Jahre im Asylkontext, die u.a. zur Einführung der Rassismus-Strafnorm führte, bis heute. Auf diesem Erfahrungsschatz können aktuelle Proteste etwa auch in der Black Lives Matter-Solidarität aufbauen.
Auch die Aufarbeitung der (post)kolonialen Verstrickungen der Schweiz geht bis in die späten 1960er Jahre zurück, u.a. auf Initiativen aus dem Kontext der Schweizer Kirchen. Die Aktualisierung dieser Debatte bietet heute die Möglichkeit, die Herkunftsgeschichten derjenigen neuen Schweizer*innen ins kulturelle Gedächtnis der Schweiz einzuschreiben, deren Familien aus ehemaligen Kolonialgebieten stammen, aber auch von denjenigen, deren Schweizer Vorfahren in den hiesigen Fabriken der reichen Kolonialunternehmen unter ausbeuterischen Bedingungen ihre Arbeitskraft verkaufen mussten.

Postkoloniale Perspektiven können den Blick für die Geschichte und Gegenwart der Einwanderungsgesellschaft Schweiz und ihre globalen Verflechtungen öffnen.
Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Formen von Rassismus spielt eine wichtige Rolle für eine Pluralisierung der Schweizer Demokratie, gleichberechtigt neben und in Verbindung zu anderen Themen wie Migration, Feminismus, soziale Ungleichheit u.a.m. Eine solche intersektionale Perspektive ist wichtig, solange sie nicht additiv verstanden wird bzw. keine falschen Opferhierarchien und vereinfachten personalisierten Feindbilder aufbaut. Das Thema Rassismus hat sonst eben auch das Potenzial gesellschaftliche Gräben zu vertiefen, zu polarisieren und mediale Eskalationsspiralen zu befeuern. Der Blick über den Atlantik der hiesigen Antirassismusbewegung seit den 1960er Jahren immer wieder wichtige Impulse gegeben, so auch heute. Doch eine allzu starke Orientierung am eskalierten US-amerikanischen Konflikt mit seiner festgefahrenen Schwarz / Weiss-Logik überblendet die vielschichtige und historisch anders gelagerte Situation in der Schweiz. Anstatt Gefahr zu laufen, Trennlinien der verschiedenen Rassismen exkludierend-identitär zu reproduzieren, besteht die Herausforderung darin, diese dauerhaft solidarisch zu überwinden, dezidiert und nachsichtig zugleich.

Bild: Guadalupe Ruiz, Äpfel und Birnen (2015), mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, lupita.ch

Eine neue Schweiz… für alle die da sind und die noch kommen werden!

Die wachsende Diskrepanz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit des Einwanderungslandes Schweiz hat im letzten halben Jahrhundert ein immenses Demokratiedefizit produziert, das die gesellschaftliche Zukunft gefährdet. Es untergräbt den eigenen, zurecht hohen Anspruch an eine direkte und gelebte Demokratie. Egal wie man zum gesellschaftlichen Wandel durch Migration und Vielfalt steht, es handelt sich um eine unumkehrbare Entwicklung, die es möglichst demokratisch, freiheitlich, solidarisch und sozial gerecht zu gestalten gilt. Migration wird auch in Zukunft weiter stattfinden, wegen globaler Dynamiken, Krisen und Konjunkturen, aber vor allem, weil das Geschäftsmodell der Schweizer Wirtschaft weiterhin auch auf "ausländischen Arbeitskräften" beruht.
Am deutlichsten werden die sozialen Kosten für das Ausblenden dieser Realität bei der Tatsache, dass ein Viertel der dauerhaften Wohnbevölkerung im Land kein hiesiges Bürgerrecht hat, ganz zu schweigen von zehntausenden illegalisierten Menschen, die von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie heute mit am stärksten betroffen sind. Weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit wurden in den letzten Jahren weitere Veränderungen im Ausländer- und Einbürgerungsrecht umgesetzt, die das bestehende Demokratiedefizit weiter verschärfen. Warum hat dies bislang zu keinem Aufschrei in der Öffentlichkeit geführt? Weil viele – egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund bzw. Rassismuserfahrung – folgenden Zirkelschluss verinnerlicht haben: Wer Ausländer ist, gehört nicht dazu und ist nicht gleichberechtigt. Wer nicht dazu gehört und gleichberechtigt ist, muss wohl fremd sein, auch in der zweiten und dritten Generation.
Das Beispiel zeigt, wie sich Vorstellungen und Strukturen des Ausschlusses gegenseitig legitimieren, reproduzieren und schlussendlich normalisieren. Hier kann man viel von der Frauenbewegung lernen: Um Institutionen dauerhaft ändern zu können, braucht es auch einen nachhaltigen Kulturwandel. Um die Demokratisierung der Schweiz im Zeitalter der Migration und Globalisierung in den nächsten Jahren voranzutreiben, braucht es ein neues gesellschaftliches Selbstverständnis, das den Raum öffnet für gerechtere Strukturen der Teilhabe, das gehört eine grundlegende Revision des Bürgerrechts. Dabei ginge es aber nicht nur um die Frage politischer Partizipation, also um Stimm- und Wahlrecht, sondern auch um grundlegendere Fragen im Sinne eines weiter verstandenen Citizenships wie Aufenthalt, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Sicherheit und Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen, aber auch kulturelle Anerkennung und Würde. Wenn selbst Mitmenschen mit Schweizer Pass aufgrund von Hautfarbe, Aussehen, Name, Sprache, Lebensweise im Alltag als «fremd» wahrgenommen und behandelt werden, dann wird deutlich, dass das Problem nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine kulturelle Dimension hat und dass es an der Zeit ist, das Momentum der aktuellen migrationspolitischen, diversitätsorientierten und rassismuskritischen Initiativen zusammenzubringen und eine breite Demokratisierungsbewegung aufzubauen, in deren Zentrum eine Frage stünde: Wer ist die Schweiz? Demokratisierung hiesse dann, ein neues Wir zu entwickeln. Es hiesse gemeinsam Verantwortung und Sorge für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schweizer Gesellschaft im globalen Zusammenhang zu tragen, für alle die da sind und die noch kommen werden.

Bild: Guadalupe Ruiz, Äpfel und Birnen (2015), mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, lupita.ch

Der Autor bedankt sich für das kritisch-konstruktive Feedback von Pascal Zwicky, Rohit Jain, Inés Mateos und Tarek Naguib

 

 

memleket - stimmen der neuen schweiz: Babak Fargahi.

Dienstag, 17. November 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz

memleket Folge 8: Der Zürcher Rechtsanwalt Babak Fargahi erläutert, wie im Recht Ausgrenzung funktioniert.

#NeueSchweiz

FRINES @KinoimKocher
22.August 2020 18:00 – 23:30

 

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

An dieser Stelle wird das Glossar #NeueSchweiz zukünftig die relevanten Begriffe vorstellen, um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz zu verstehen – fundiert und kritisch. Ausgangslage bilden die beiden Begriffe #NeueSchweiz und #DeepDiversity.

Wie weiter mit Migration, Vielfalt und Antirassismus? Die Schweiz braucht eine Demokratisierungsbewegung!

Donnerstag, 5. November 2020

Von Kijan Espahangizi

 

Bild: Guadalupe Ruiz, Äpfel und Birnen (2015), mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, lupita.ch

Der Sommer 2020 stand in der Schweiz nicht nur im Zeichen von Covid19, sondern auch von breiten antirassistischen Protesten. Dass die Black Lives Matter–Bewegung gleichzeitig zum 50. Jahrestag der Abstimmung zur sogenannten Schwarzenbach-Initiative mobilisierte, war Zufall. Das Zusammentreffen der Ereignisse könnte jedoch den Auftakt einer neuen Phase von politischen Auseinandersetzungen um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz bedeuten. Um so wichtiger ist es, sich darüber auszutauschen, wie diese Themen zusammenhängen.

«Bildung für alle – jetzt!» - diskriminierungsfreie postmigrantische Schulkultur

Freitag, 9. Oktober 2020

Von Insitut Neue Schweiz INES

 

Die neu lancierte Kampagne «Bildung für alle – jetzt!» setzt sich schweizweit dafür ein, dass der Zugang zur Bildung für Geflüchtete verbessert wird. Auf allen Stufen – obligatorische Schule, Berufs- und Mittelschulbildung und Hochschulen – müssen Hindernisse und Lücken beseitigt werden. Trägerinnen der Kampagne sind die Gewerkschaft VPOD, der Verband der Schweizer Studierendenschaften VSS, die Grund- und Menschenrechtsorganisation Solidarité sans frontières und eine Reihe von Einzelpersonen.

Memleket - Stimmen der Neuen Schweiz: Folge 7!

Freitag, 25. September 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz.

Folge 7 des INES-Podcasts memleket: Hier wird jener Teil der Schweiz hörbar, der heute noch nicht wirklich wahrgenommen wird. Hier spricht die plurale, diverse Schweiz mit Migrationsvordergrund, eine, die eine andere Sicht auf die Welt hat.

Nein zur Entrechtung, Ja zu einer solidarischeren Politik für alle Erwerbstätigen in der postmigrantischen Schweiz

Dienstag, 15. September 2020

Von Alessandro Pelizzari, Dominik Gross und Sarah Schilliger

 

10 Thesen für ein postmigrantisches Nein zur Kündigungsinitiative am 27. September und eine offensive und eigenständige linke Politik zur Personenfreizügigkeit darüber hinaus.

«Wir können wirklich etwas verändern»

Donnerstag, 20. August 2020

Von Sara Winter Sayilir von Surprise

 

«Ich muss nicht weiss werden, es gibt auch andere Arten, Schweizerin zu sein.» LAURA RIVAS KAUFMANN, 30, arbeitet in der Bildredaktion des Tages-Anzeigers und als freie Journalistin bei Tsüri.ch. Als Aktivistin ist sie in mehreren PoC-Kollektiven dabei und beschäftigt sich intensiv auch mit Feminismus.

Was bewegt Menschen aus der antirassistischen Bewegung in Zeiten von «Black Lives Matter»? Surprise hat vier Aktivist*innen zum Gespräch eingeladen und ausnahmsweise einfach nur zugehört.

Grenzerfahrungen – Ein Bericht einer postmigrantischen Schweizerin

Mittwoch, 1. Juli 2020

Von Lucia Aguilar, Mitglied INES Institutsleitung, redigiert von Christoph Damke, Maria-Cecilia Quadri und Tarek Naguib.

 

Seit dem 15. Juni sind die Grenzen in Europa wieder geöffnet. Ein Rückblick einer postmigrantischen Schweizerin, die während Corona von Costa Rica über die Schweiz bis nach Hamburg gelangt ist.

Die höchste Luzernerin hat Migrationsbiographie!

Dienstag, 30. Juni 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

Ylfete Fanaj

Am 23. Juni wurde Ylfete Fanaj zur höchsten Luzernerin gewählt, sie ist neu Präsidentin des Kantonsrats. Wir gratulieren Ylfete Fanaj zu ihrem Erfolg und drucken hier mit ihrer Erlaubnis ihre starke und wichtige Rede zur Wahlannahme ab.

Schwarzenbach geht uns alle an! Gedanken zu einer vielstimmigen, antirassistischen Erinnerungspolitik

Freitag, 26. Juni 2020

Von Rohit Jain

 

Die Schweiz hat sich von der Black Lives Matter-Bewegung und der davon ausgelösten Rassismus-Debatte überraschen lassen. Dass die Black Lives Matter-Bewegung mit dem Gedenktag an die Ablehnung der Schwarzenbach-Initiative vor 50 Jahren zusammenfällt, ist Zufall und Glücksfall zugleich: Das erste Mal seit den Protesten gegen das Gastarbeiterregime zwischen den späten 1960er und frühen 1980er Jahren finden wieder Massenproteste gegen Rassismus statt, die die Gesellschaft durchschütteln. Wie lässt sich eine kritische Erinnerung an das Gastarbeiterregime als Ausgangspunkt nehmen, um historische Schuld verantwortungsvoll und nachhaltig aufzuarbeiten und eine vielstimmige, antirassistische Demokratisierung zu stärken?

#DeepDiversity

memleket - stimmen der neuen schweiz: Mardoché Kabengele

Freitag, 19. Juni 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz

Mardoché Kabengele: Folge 6 unseres Podcasts "memleket" ist online!

Für alle Menschen, die hier leben und die noch kommen werden

Montag, 15. Juni 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Seit George Floyd durch rassistische Polizeigewalt in den USA ums Leben gebracht wurde, ist die Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung auch in der Schweiz deutlich spürbar, in öffentlichen Debatten, auf der Strasse und persönlichen Gesprächen. Das Institut Neue Schweiz (INES) solidarisiert sich mit diesen Protesten und dem Kampf gegen einen spezifischen anti-Schwarzen Rassismus.

ÖFFENTLICHER APPELL: WIRTSCHAFTLICHE NOT IN ZEITEN DER CORONA-KRISE DARF AUFENTHALTSSTATUS UND EINBÜRGERUNGEN NICHT GEFÄHRDEN – SEIEN WIR AUCH HIER SOLIDARISCH!

Freitag, 1. Mai 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Krise. Viele Menschen sind von Arbeitslosigkeit bedroht, werden auf Sozialhilfe angewiesen sein und müssen Schulden aufnehmen, auch in der Schweiz. Das hat massive finanzielle und soziale Auswirkungen, aber auch – was viele nicht wissen – rechtliche Folgen. Bei Entscheiden zum Aufenthaltsstatus und zur Einbürgerung spielt das Kriterium ›wirtschaftliche Integration‹ eine massgebliche Rolle. Die Corona-Pandemie ist auch deswegen für viele eine existenzielle Bedrohung. Dies betrifft potenziell ein Viertel der Wohnbevölkerung, die kein Schweizer Bürgerrecht haben, aber das Land tagtäglich mittragen und mitgestalten.

memleket Folge 4: Carlos Ortega

Freitag, 13. März 2020

Von Christoph Keller & Ugur Gültekin

 

Caption

Unser Blog "Stimmen der neuen Schweiz" hat seit Februar 2020 auch ein Podcast-Format. memleket. Folge 4 ist jetzt online !

Tradition und Identität im Kontext postkolonialer Verstrickungen

Freitag, 6. März 2020

Von Halua Pinto de Magalhães

 

"Protestdemo" von FasnächtlerInnen - August 2018 (Quelle: Tageswoche, Hans-Jörg Walter)

Aufgrund des Corona-Virus wurde dieses Jahr unter anderem die Basler Fasnacht abgesagt. Die Kritik der antirassistischen Bewegung an der Fasnacht bleibt. Es stellt sich insbesondere immer noch die Frage, weshalb diese sogenannten Traditionen sowohl bei ihren Kritikern, als auch bei eingeschworenen FasnächtlerInnen so viele Emotionen auslösen. Halua Pinto de Magalhães sucht auf dem INES Blog „Stimmen der Neuen Schweiz“ nach antworten.

memleket - stimmen der neuen schweiz

Freitag, 21. Februar 2020

Von Christoph Keller & Ugur Gültekin

 

Unser Blog "Stimmen der neuen Schweiz" hat jetzt auch ein Podcast-Format: memleket. Die ersten drei Folgen sind online verfügbar!

"Ich bin Secondo, also bin ich."

Dienstag, 21. Januar 2020

Von Uğur Gültekin

 

Samir und Ugur Gültekin.

Der Filmemacher Samir und Uğur Gültekin (INES-Institutsleitung und Journalist) tauschen sich in diesem postmigrantischen Generationengespräch über das Erwachsenwerden in unterschiedlichen Jahrzehnten aus. Dabei entdecken sie Gemeinsamkeiten, blicken auf hoffnungsspendende Momente zurück und werden über den Fakt überrascht, dass sie ohne sich zu kennen, durch die Arbeit des anderen empowert wurden.

«Stadt-für-alle»-Aktion vor der Fachhochschule St. Gallen

Montag, 11. November 2019

Von Mardoché Kabengele

 

Copyright: Dani Fels

Eine Ostwind-Initiative in Anlehnung an die Urban Citizenship-Debatte in anderen Städten der Schweiz.

«Für Hunde und Italiener verboten» - Ein Gespräch mit Angelo Maiolino

Montag, 15. Juli 2019

Von Tarek Naguib

 

Angelo Maiolino war Dozent und wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für politische Philosophie der Universität Zürich. Gegenwärtig arbeitet der Familienvater als Gymnasiallehrer an einer Zürcher Kantonsschule. Im Jahr 2011 hat er das Buch „Als die Italiener noch Tschinggen waren“ im Rotpunktverlag publiziert. Drei Jahre später erschien seine Doktorarbeit mit dem Titel „Politische Kultur in Zeiten des Neoliberalismus“ im Transcript Verlag. Tarek Naguib hat Angelo Maiolino getroffen und mit ihm zurückgeschaut auf die Schwarzenbach-Initiative und die Lebensrealitäten von italienischen Gastarbeitern in der Schweiz und gefragt was diese Erfahrungen für die Gegenwart und die Zukunft der Migrationsgesellschaft Schweiz bedeuten.

Hautverdächtig – Rassistische Polizeikontrollen auf der Anklagebank

Donnerstag, 16. Mai 2019

Von Mohamed Wa Baile und Ellen Höhne

 

»Hautverdächtig« ist die theatralische Dokumentation und Reinszenierung eines Schweizer Gerichtsfalls zu Racial Profiling, der im Jahr 2015 begann und mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig ist. Dieser experimentelle Text bringt die institutionalisierte Diskriminierungspraxis der Polizei ans Licht, in der täglich Menschen verdächtigt, willkürlich aufgehalten und als Rassisierte ausgeschlossen werden.

Do the Right Thing! #NeueSchweiz im Kino im Kocher

Mittwoch, 9. September 2020

Von Friends of INES aka FRINES, Mardoché Kabengele

 

Am 22. August zeigte das gratis Openairkino „Kino im Kocher“ den Film „Do the Right Thing vom Schwarzen* Regisseur, Produzenten und Schauspieler Spike Lee. Sie wollten für das diesjährige Event eine klare Position gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus beziehen. Das Institut Neue Schweiz (INES) und sein Förderverein Friends of INES (FrINES) waren mit einer Eröffnungsrede von Mardoché Kabengele und Lucia Aguilar und einem Stand vor Ort.

memleket - stimmen der neuen schweiz: Babak Fargahi.

Dienstag, 17. November 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz

memleket Folge 8: Der Zürcher Rechtsanwalt Babak Fargahi erläutert, wie im Recht Ausgrenzung funktioniert.

#NeueSchweiz

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

An dieser Stelle wird das Glossar #NeueSchweiz zukünftig die relevanten Begriffe vorstellen, um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz zu verstehen – fundiert und kritisch. Ausgangslage bilden die beiden Begriffe #NeueSchweiz und #DeepDiversity.

«Bildung für alle – jetzt!» - diskriminierungsfreie postmigrantische Schulkultur

Freitag, 9. Oktober 2020

Von Insitut Neue Schweiz INES

 

Die neu lancierte Kampagne «Bildung für alle – jetzt!» setzt sich schweizweit dafür ein, dass der Zugang zur Bildung für Geflüchtete verbessert wird. Auf allen Stufen – obligatorische Schule, Berufs- und Mittelschulbildung und Hochschulen – müssen Hindernisse und Lücken beseitigt werden. Trägerinnen der Kampagne sind die Gewerkschaft VPOD, der Verband der Schweizer Studierendenschaften VSS, die Grund- und Menschenrechtsorganisation Solidarité sans frontières und eine Reihe von Einzelpersonen.

Nein zur Entrechtung, Ja zu einer solidarischeren Politik für alle Erwerbstätigen in der postmigrantischen Schweiz

Dienstag, 15. September 2020

Von Alessandro Pelizzari, Dominik Gross und Sarah Schilliger

 

10 Thesen für ein postmigrantisches Nein zur Kündigungsinitiative am 27. September und eine offensive und eigenständige linke Politik zur Personenfreizügigkeit darüber hinaus.

Grenzerfahrungen – Ein Bericht einer postmigrantischen Schweizerin

Mittwoch, 1. Juli 2020

Von Lucia Aguilar, Mitglied INES Institutsleitung, redigiert von Christoph Damke, Maria-Cecilia Quadri und Tarek Naguib.

 

Seit dem 15. Juni sind die Grenzen in Europa wieder geöffnet. Ein Rückblick einer postmigrantischen Schweizerin, die während Corona von Costa Rica über die Schweiz bis nach Hamburg gelangt ist.

Schwarzenbach geht uns alle an! Gedanken zu einer vielstimmigen, antirassistischen Erinnerungspolitik

Freitag, 26. Juni 2020

Von Rohit Jain

 

Die Schweiz hat sich von der Black Lives Matter-Bewegung und der davon ausgelösten Rassismus-Debatte überraschen lassen. Dass die Black Lives Matter-Bewegung mit dem Gedenktag an die Ablehnung der Schwarzenbach-Initiative vor 50 Jahren zusammenfällt, ist Zufall und Glücksfall zugleich: Das erste Mal seit den Protesten gegen das Gastarbeiterregime zwischen den späten 1960er und frühen 1980er Jahren finden wieder Massenproteste gegen Rassismus statt, die die Gesellschaft durchschütteln. Wie lässt sich eine kritische Erinnerung an das Gastarbeiterregime als Ausgangspunkt nehmen, um historische Schuld verantwortungsvoll und nachhaltig aufzuarbeiten und eine vielstimmige, antirassistische Demokratisierung zu stärken?

Für alle Menschen, die hier leben und die noch kommen werden

Montag, 15. Juni 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Seit George Floyd durch rassistische Polizeigewalt in den USA ums Leben gebracht wurde, ist die Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung auch in der Schweiz deutlich spürbar, in öffentlichen Debatten, auf der Strasse und persönlichen Gesprächen. Das Institut Neue Schweiz (INES) solidarisiert sich mit diesen Protesten und dem Kampf gegen einen spezifischen anti-Schwarzen Rassismus.

memleket Folge 4: Carlos Ortega

Freitag, 13. März 2020

Von Christoph Keller & Ugur Gültekin

 

Caption

Unser Blog "Stimmen der neuen Schweiz" hat seit Februar 2020 auch ein Podcast-Format. memleket. Folge 4 ist jetzt online !

memleket - stimmen der neuen schweiz

Freitag, 21. Februar 2020

Von Christoph Keller & Ugur Gültekin

 

Unser Blog "Stimmen der neuen Schweiz" hat jetzt auch ein Podcast-Format: memleket. Die ersten drei Folgen sind online verfügbar!

«Stadt-für-alle»-Aktion vor der Fachhochschule St. Gallen

Montag, 11. November 2019

Von Mardoché Kabengele

 

Copyright: Dani Fels

Eine Ostwind-Initiative in Anlehnung an die Urban Citizenship-Debatte in anderen Städten der Schweiz.

Hautverdächtig – Rassistische Polizeikontrollen auf der Anklagebank

Donnerstag, 16. Mai 2019

Von Mohamed Wa Baile und Ellen Höhne

 

»Hautverdächtig« ist die theatralische Dokumentation und Reinszenierung eines Schweizer Gerichtsfalls zu Racial Profiling, der im Jahr 2015 begann und mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig ist. Dieser experimentelle Text bringt die institutionalisierte Diskriminierungspraxis der Polizei ans Licht, in der täglich Menschen verdächtigt, willkürlich aufgehalten und als Rassisierte ausgeschlossen werden.

FRINES @KinoimKocher
22.August 2020 18:00 – 23:30

 

Wie weiter mit Migration, Vielfalt und Antirassismus? Die Schweiz braucht eine Demokratisierungsbewegung!

Donnerstag, 5. November 2020

Von Kijan Espahangizi

 

Bild: Guadalupe Ruiz, Äpfel und Birnen (2015), mit freundlicher Genehmigung der Künstlerin, lupita.ch

Der Sommer 2020 stand in der Schweiz nicht nur im Zeichen von Covid19, sondern auch von breiten antirassistischen Protesten. Dass die Black Lives Matter–Bewegung gleichzeitig zum 50. Jahrestag der Abstimmung zur sogenannten Schwarzenbach-Initiative mobilisierte, war Zufall. Das Zusammentreffen der Ereignisse könnte jedoch den Auftakt einer neuen Phase von politischen Auseinandersetzungen um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz bedeuten. Um so wichtiger ist es, sich darüber auszutauschen, wie diese Themen zusammenhängen.

Memleket - Stimmen der Neuen Schweiz: Folge 7!

Freitag, 25. September 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz.

Folge 7 des INES-Podcasts memleket: Hier wird jener Teil der Schweiz hörbar, der heute noch nicht wirklich wahrgenommen wird. Hier spricht die plurale, diverse Schweiz mit Migrationsvordergrund, eine, die eine andere Sicht auf die Welt hat.

«Wir können wirklich etwas verändern»

Donnerstag, 20. August 2020

Von Sara Winter Sayilir von Surprise

 

«Ich muss nicht weiss werden, es gibt auch andere Arten, Schweizerin zu sein.» LAURA RIVAS KAUFMANN, 30, arbeitet in der Bildredaktion des Tages-Anzeigers und als freie Journalistin bei Tsüri.ch. Als Aktivistin ist sie in mehreren PoC-Kollektiven dabei und beschäftigt sich intensiv auch mit Feminismus.

Was bewegt Menschen aus der antirassistischen Bewegung in Zeiten von «Black Lives Matter»? Surprise hat vier Aktivist*innen zum Gespräch eingeladen und ausnahmsweise einfach nur zugehört.

Die höchste Luzernerin hat Migrationsbiographie!

Dienstag, 30. Juni 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

Ylfete Fanaj

Am 23. Juni wurde Ylfete Fanaj zur höchsten Luzernerin gewählt, sie ist neu Präsidentin des Kantonsrats. Wir gratulieren Ylfete Fanaj zu ihrem Erfolg und drucken hier mit ihrer Erlaubnis ihre starke und wichtige Rede zur Wahlannahme ab.

#DeepDiversity

memleket - stimmen der neuen schweiz: Mardoché Kabengele

Freitag, 19. Juni 2020

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket - stimmen der neuen schweiz

Mardoché Kabengele: Folge 6 unseres Podcasts "memleket" ist online!

ÖFFENTLICHER APPELL: WIRTSCHAFTLICHE NOT IN ZEITEN DER CORONA-KRISE DARF AUFENTHALTSSTATUS UND EINBÜRGERUNGEN NICHT GEFÄHRDEN – SEIEN WIR AUCH HIER SOLIDARISCH!

Freitag, 1. Mai 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Krise. Viele Menschen sind von Arbeitslosigkeit bedroht, werden auf Sozialhilfe angewiesen sein und müssen Schulden aufnehmen, auch in der Schweiz. Das hat massive finanzielle und soziale Auswirkungen, aber auch – was viele nicht wissen – rechtliche Folgen. Bei Entscheiden zum Aufenthaltsstatus und zur Einbürgerung spielt das Kriterium ›wirtschaftliche Integration‹ eine massgebliche Rolle. Die Corona-Pandemie ist auch deswegen für viele eine existenzielle Bedrohung. Dies betrifft potenziell ein Viertel der Wohnbevölkerung, die kein Schweizer Bürgerrecht haben, aber das Land tagtäglich mittragen und mitgestalten.

Tradition und Identität im Kontext postkolonialer Verstrickungen

Freitag, 6. März 2020

Von Halua Pinto de Magalhães

 

"Protestdemo" von FasnächtlerInnen - August 2018 (Quelle: Tageswoche, Hans-Jörg Walter)

Aufgrund des Corona-Virus wurde dieses Jahr unter anderem die Basler Fasnacht abgesagt. Die Kritik der antirassistischen Bewegung an der Fasnacht bleibt. Es stellt sich insbesondere immer noch die Frage, weshalb diese sogenannten Traditionen sowohl bei ihren Kritikern, als auch bei eingeschworenen FasnächtlerInnen so viele Emotionen auslösen. Halua Pinto de Magalhães sucht auf dem INES Blog „Stimmen der Neuen Schweiz“ nach antworten.

"Ich bin Secondo, also bin ich."

Dienstag, 21. Januar 2020

Von Uğur Gültekin

 

Samir und Ugur Gültekin.

Der Filmemacher Samir und Uğur Gültekin (INES-Institutsleitung und Journalist) tauschen sich in diesem postmigrantischen Generationengespräch über das Erwachsenwerden in unterschiedlichen Jahrzehnten aus. Dabei entdecken sie Gemeinsamkeiten, blicken auf hoffnungsspendende Momente zurück und werden über den Fakt überrascht, dass sie ohne sich zu kennen, durch die Arbeit des anderen empowert wurden.

«Für Hunde und Italiener verboten» - Ein Gespräch mit Angelo Maiolino

Montag, 15. Juli 2019

Von Tarek Naguib

 

Angelo Maiolino war Dozent und wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für politische Philosophie der Universität Zürich. Gegenwärtig arbeitet der Familienvater als Gymnasiallehrer an einer Zürcher Kantonsschule. Im Jahr 2011 hat er das Buch „Als die Italiener noch Tschinggen waren“ im Rotpunktverlag publiziert. Drei Jahre später erschien seine Doktorarbeit mit dem Titel „Politische Kultur in Zeiten des Neoliberalismus“ im Transcript Verlag. Tarek Naguib hat Angelo Maiolino getroffen und mit ihm zurückgeschaut auf die Schwarzenbach-Initiative und die Lebensrealitäten von italienischen Gastarbeitern in der Schweiz und gefragt was diese Erfahrungen für die Gegenwart und die Zukunft der Migrationsgesellschaft Schweiz bedeuten.

Do the Right Thing! #NeueSchweiz im Kino im Kocher

Mittwoch, 9. September 2020

Von Friends of INES aka FRINES, Mardoché Kabengele

 

Am 22. August zeigte das gratis Openairkino „Kino im Kocher“ den Film „Do the Right Thing vom Schwarzen* Regisseur, Produzenten und Schauspieler Spike Lee. Sie wollten für das diesjährige Event eine klare Position gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus beziehen. Das Institut Neue Schweiz (INES) und sein Förderverein Friends of INES (FrINES) waren mit einer Eröffnungsrede von Mardoché Kabengele und Lucia Aguilar und einem Stand vor Ort.

INES