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Institutionelle Öffnung der Kulturhäuser - Erfahrungen und Empfehlungen

Donnerstag, 3. Juni 2021

Von Inés Mateos

 

Im 2019 starteten das Literaturhaus und die Kaserne Basel mit dem Institut Neue Schweiz INES das Projekt Atelier Neue Schweiz Basel, bei dem die Öffnung hin zur postmigrantischen Schweiz der beiden Kulturhäuser im Zentrum stand. Über den angestossenen Transformationsprozess spricht Inés Mateos von INES mit Sandro Lunin, dem Leiter der Kaserne Basel, und mit Katrin Eckert, der Leiterin des Literaturhaus Basel. Auf der Grundlage der Erfahrungen des Projekts sind zehn Empfehlungen erarbeitet worden.

Die Strukturen von Kulturhäusern müssen sich der Vielfalt öffnen, um Kohäsion und Chancengerechtigkeit in der Schweiz zu gewährleisten und selber zukunftsfähig zu werden. Das Literaturhaus Basel und die Kaserne Basel wollen der Vielfalt der Gesellschaft Rechnung tragen und ihre Institutionen öffnen. Um der Frage nachtzugehen, wie sie es als kulturelle Institutionen Basels schaffen können, Diversität und kulturelle Teilhabe in ihre jeweiligen Programmierungsprozesse und -inhalte umzusetzen und damit auch ein diverseres Publikum zu erreichen, gingen sie eine Kooperation mit dem Institut Neue Schweiz ein. Daraus entstand das Atelier Neue Schweiz Basel.

Atelier Neue Schweiz Basel – 50 Kulturschaffende tauschen sich aus

Die Kraft, die das Projekt zu Beginn entwickelte, hatte viel damit zu tun, dass in einem ersten Schritt 50 Leute für 2 Tage zusammengebracht wurden und sich in einem Openspace austauschen und Vorhaben artikulieren konnten. Die Teilnehmenden waren eine erste Selektion aus einer Zusammenstellung von rund 250 aus der Region Basel recherchierten Personen aus allen möglichen Sparten und Communities, die in irgendeiner Form mit Kunst & Kultur zu tun, eine Migrationsgeschichte und/oder Rassismuserfahrung haben und zum grössten Teil nicht schon per se zur Basler Kulturszene gehören.

Die Openspace Veranstaltung setzte bei allen Beteiligten vieles in Gang. Unter anderem entstand unter der Leitung eines Kurator*innenteams die zwei experimentell angelegte Veranstaltungen being here, doing this! in der Kaserne und im Literaturhaus. Sodann fand die Auseinandersetzung mit Themen wie «Awareness» oder «Critical Whiteness» Eingang in die Teams der Kaserne und des Literaturhauses. Einen wichtigen Effekt hatte das Projekt auch auf die Kooperationen zum Beispiel mit aktivistischen Gruppierungen, welche die beiden Institutionen nun bewusster vielfältiger eingehen. Ausserdem ist eine Sensibilisierung für Vielfaltsthematiken der Teams spürbar.

Openspace Atelier Neue Schweiz Basel, Februar 2019 – so begann alles

Basierend auf den Erfahrungen des Openspace, der Veranstaltungen in der Kaserne und im Literaturhaus Basel sowie der Auseinandersetzung in den Teams der beiden Kulturhäuser wurden Empfehlungen entwickelt.

Empfehlung 1: Vielstimmige Community aufbauen & Partner*innen identifizieren

Grosse Vielfalt ist zwar in der Gesellschaft vorhanden, Diversität in Kulturinstitutionen – und nicht nur in Kuturinstitutionen – hineinzuholen aber ein schwieriges Unterfangen. Meistens bewegt sich ein sehr abgesteckter Zirkel von Personen im Umfeld einer Institution, das gilt auch für die Kulturszene. Über eine Vervielfältigung von Wegen und Kontakten aus unterschiedlichen Communities andere Kulturschaffende «aufzuspüren», ist ein zwar aufwändiger Weg, aber die einzige Möglichkeit, überhaupt das Netzwerk zu erweitern und neue potentielle Partner*innen zu identifizieren und zu gewinnen. Dieses Communitybuilding ist längerfristig nötig, um den Zugang zu Vielstimmigkeit für die Häuser überhaupt aufzumachen und andere Kulturschaffende sichtbar werden zu lassen.

Empfehlung 2: Über Partnerschaften Vielfalt ins Haus holen

Das Projekt vermochte an beiden Abenden und in beide Institutionen ein anderes vielfältigeres Publikum ins Haus zu holen, sowohl was die Migrationsbiografie, wie auch was die Altersstruktur betrifft. Die Diversität im Publikum rekrutierte sich in erster Linie aus dem Openspace, viele der Teilnehmenden waren auch an den beiden Abenden zugegen und brachten andere aus ihren Communities mit. Aber auch aus dem Umfeld der Kurator*innen und beteiligten Künstler*innen fanden viele den Weg in die Kaserne und ins Literaturhaus – zu einem guten Teil auch Leute, die noch nie eines der beiden Häuser besucht hatten.

Das Atelier Neue Schweiz zeigte, dass das postmigrantische Thema von Anderssein und Zugehörigkeit, von Teilhabe und Partizipation, von inkludierenden Bildern und Narrativen sehr viele Menschen beschäftigt und anzusprechen vermag. Dass sie diese Themen im Normalbetrieb der Kulturinstitutionen nur selten repräsentiert sehen oder den Kulturhäusern erst über «Gewährsleute» aus ihrem eigenen Umfeld eine adäquate Verhandlung davon zutrauen, muss zu denken geben. Diese Einsicht kann aber auch ein Schlüssel sein: Um Diversität in die Häuser zu bringen – oder umgekehrt, Öffentlichkeit zu vervielfältigen –, müssen tragende Partnerschaften mit lokal vernetzten Menschen mit Migrationsgeschichte und Mehrfachzugehörigkeiten eingegangen werden. Wenn Menschen mit anderen Geschichten und Hintergründen aktiv mitgestalten, werden sie auch in das Kulturgeschehen mithineingezogen. Das hat konkrete Auswirkungen auf unterschiedlichen Ebenen: vorerst auf das Programm und auch auf das Publikum, darüber hinaus zeitigt es aber auch Effekte auf das Personal.

Netzwerktreffen Literaturhaus Basel, Juni 2019

Empfehlung 3: «Auf Augenhöhe» kollaborieren und Hierarchien «verlernen»

Wenn es um einen grundsätzlichen Abbau von Barrieren geht, darf das Ziel der Öffnung sich aber nicht darin erschöpfen, gönnerisch marginalisierten Gruppen eine Plattform zu geben. Vielmehr geht es um eine grundlegend andere, kollaborative Herangehensweise an die Zusammenarbeit mit Akteur*innen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrung, die etwa gemäss dem Autor Mark Terkessidis, eine umfassenden subjektive und institutionelle Veränderung in Kauf nimmt, ja begrüsst. Neben Routinen und Strukturen sind Hierarchien von Rollenbildern und Normen geprägt. «Auf Augenhöhe» kooperieren müsste demnach heissen, bestehende Hierarchien zu verstehen und gemeinsam, kontextsensitive Alternativen dazu zu entwickeln. Wünschenswert ist dabei, dass diese Zusammenarbeit nicht nur «neben» dem Programm verläuft (Stichwort: Vermittlung), sondern ein substantieller Teil davon wird. Das heisst, dass sie auch in Kooperationen mit anderen Institutionen oder in Verbindung mit internationalen und interkontinentalen Akteur*innen miteinbezogen wird.

Im Atelier Neue Schweiz wurde experimentiert, wie im steten Austausch mit den Häusern programmiert werden kann. Dabei war die vorübergehende Überwindung von Machtgefügen – wenn sie auch zuweilen an ihre Grenzen stiess – grundsätzlich einfacher, als man es hätte annehmen können. Das bedingte eine grosse Bewusstheit für das Experiment, wie auch den Willen, sich darauf einzulassen. Macht kontextsensitiv und verantwortungsvoll zu teilen, ist eine der grossen Herausforderungen bei der Öffnung von Institutionen. Dabei ist die Einsicht nützlich, dass es nicht utopisch darum geht, Macht komplett abzugeben, sondern Machtstrukturen überhaupt für alle bewusst zu machen. Wie man Ko-Kuration oder Arbeitsgruppen aufbauen kann, die zusammen mit den Kulturhäusern Einfluss auf die Programmierung nehmen, und überhaupt an Entscheidungsprozessen beteiligt werden können, bleibt deshalb eine der entscheidenden Fragen. Nur im stetigen, und immer neuen Experimentieren und Diskutieren können Antworten und Prozesse generiert werden, welche das Potential besitzen, die Praxis dauerhaft zu verändern.

Empfehlung 4: Prozesse und Routinen flexibilisieren

Im Atelier Neue Schweiz ging es auch darum, die künstlerischen Prozesse und strukturellen Bedingungen der beteiligten Häuser zu reflektieren, herauszufinden, wo Öffnung möglich ist und an welchen Stellen Barrieren gross sind. Herausfordernd im Prozess war der Widerspruch zwischen den streng festgelegten Abläufen und festen Zuständigkeitsbereichen und Hierarchien in den Betrieben und dem Projekt, das in seiner experimentellen Form als kollektiver Prozess zeitweise queer dazu stand. Ein banales Beispiel war die starre Einlasskontrolle am Abend in der Kaserne, die zwar institutionell sinnvoll war, aber gleichzeitig ausschliessend wirkte.

Geht man davon aus, dass Kulturhäuser Ressourcen zur Verfügung haben, die sie teilen wollen und sollen, stellt sich die Frage, wie stark vorhandene Strukturen die Öffnung behindern oder unterstützen. Institutionen in einer bestimmten Grössenordnung können zweifellos nur unter gewissen Rahmenbedingungen funktionieren. Zu glauben, dass es ganz ohne diese Setzungen geht, ist illusorisch. Dennoch gehört es zum Prozess der Öffnung dazu, genau hinzuschauen, welche Setzungen unabdingbar sind und welche sich vielleicht auch, vielleicht auch mal nur kurzfristig, flexibilisieren lassen.

Zwei Aspekte in Zusammenhang mit dem Projekt eignen sich dabei zum Weiterdenken: Zum einen der auf Langfristigkeit ausgelegte Planungsbedarf von Häusern, zum anderen, die klare Vorstellung strikter Abläufe. Einerseits beinhalten partizipative Prozesse einen viel höheren Grad an Unsicherheit und Unplanbarem. Andererseits existieren ganz andere, spontanere und improvisiertere Arbeitsweisen und Vorstellungen von guter Praxis und Professionalität, als nur die eine, die wir verinnerlicht haben. Öffnung bedeutet auch, sich diesen anderen Vorstellungen, die gerade in von Vielfalt geprägten Zusammenhängen stärkere Prävalenz haben, zu stellen. Sich experimentell darauf einzulassen, heisst auch, es zu wagen, festgefahrene (und vielleicht auch bewährte) Prozesse zu flexibilisieren und implizite Annahmen, Identitäten und Setzungen in Frage zu stellen.

«Being Here, Doing This», September 2019 Kaserne Basel

Empfehlung 5: Teams sensibilisieren

Wenn Partnerschaften auf Augenhöhe eingegangen werden, findet eine Anbindung anderer Player statt, die andere Künstler*innen und ein vielfältigeres Publikum ins Haus bringen. Dies hat auch eine Auswirkung auf die Arbeit der regulären Teams.

Auch im Atelier Neue Schweiz hat die Präsenz von Kurator*innen und Künstler*innen mit verschiedenen sozialen und kulturellen Hintergründen in den Häusern zu einer Sensibilisierung für die Thematik der Öffnung und Teilhabe in den Teams geführt. Der Austausch hat auch den Effekt gehabt, dass auch in anderen Bereichen neue Kontakte für weitere Zusammenarbeit genutzt wurden.

Nun sollte es in den beiden Häusern gezielt darum gehen, Fragen zu Mehrfachzugehörigkeit, zu Vielfalt, Migration und Rassismus, die im Prozess aufgetaucht sind, auch mit den Teams weiter zu bearbeiten. Da eine vielfältigere Zusammensetzung im Personal eher zu den längerfristig realisierbaren Veränderungen gehört, sollte auf die systematische Erweiterung der Diversitätskompetenz aller Mitarbeitenden gesetzt werden. Diese Kompetenz soll in das Wissen und die Struktur der Institution Eingang finden und eben nicht an einzelne Mitarbeitende, die Minderheiten zu repräsentieren scheinen, delegiert werden. Diversitykompetente Teams sind eine wichtige Voraussetzung, um eine Kultur der Öffnung ernsthaft voranzutreiben.

Empfehlung 6: Räume zur Verfügung stellen & experimentell Formate entwickeln

Soweit es ihren Möglichkeiten entspricht, sollten Kulturhäuser dem von vielen Kulturschaffenden hervorgebrachte Anliegen, Räume und Auftrittsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen, nachkommen. Schon nur die Ermöglichung eines regelmässig zugänglichen Proberaumes oder Stammtisches kann einen Ort der Begegnung und des Austausches schaffen, der Communities ins Haus holt und sie daran bindet. Ein offenes Haus kann ein starkes Symbol für die Zugänglichkeit und Öffnung darstellen.

Das Atelier Neue Schweiz hat gezeigt, dass die Arbeit am Format weiterhin relevant bleibt. Wie gemeinsam mit den unterschiedlichsten Playern Formen entwickelt werden können, die offene Partizipation zulassen und gemeinschaftlich etwas wachsen lassen, bleibt weiterhin eine zentrale Frage für die kuratorische und kulturelle Praxis einerseits, und das Kulturmanagement anderseits. Voraussetzung dabei ist gerade im postmigrantischen Kontext ein Kulturbegriff, der sich immer wieder dynamisch verändert, gesellschaftspolitisch öffnet und punktuell konkretisiert. Oberstes Ziel muss dabei nicht die perfekte, einzelne Produktion sein, sondern vielmehr der gemeinsame Prozess sein. Der Wille zum Experimentellen mit der realen Option zu scheitern und zu lernen, bleibt hier gefragt und setzt entsprechenden Mut von den Kulturhäusern voraus.

«Being Here, Doing This», September 2019 Kaserne Basel

Empfehlung 7: Spartenübergreifend denken und ästhetische Zwischenräume schaffen

Im Prozess des Atelier Neue Schweiz wurde sichtbar, dass Spartengrenzen relativ und zuweilen einengend sein können. Viele Künstler*innen denken und entwickeln ihre Kunst über die Spartengrenzen hinweg. Das tun nicht nur Künstler*innen mit Migrationsbiografie und Rassismuserfahrung, aber diese vielleicht in stärkerem Ausmass, da sie oft weniger den kanonischen und institutionellen Normen entsprechen (können). Wenn Kulturproduktionen diversifiziert und demokratisiert werden, gerät auch die Einteilung in starre Sparten in Bewegung. Ästhetische Setzungen und Konventionen werden dadurch nicht unbedingt ausser Kraft gesetzt, aber doch stärker hinterfragt. Im besten Fall werden sogar neue ästhetische Zwischenräume eröffnet.

Für Häuser mit einem klaren Spartenauftrag, wie etwa das Literaturhaus, kann es zwar schwierig erscheinen, über die Grenze der Literatur hinaus zu programmieren, es kann aber auch eine Chance bergen; nicht zuletzt weil andere Kunstformen neue Ausdrucksmöglichkeiten für die Literatur bieten können. Dasselbe gilt natürlich auch für andere Sparten, ist aber etwa für ein Mehrspartenhaus wie die Kaserne etwas einfacher, weil es stärker übergreifend arbeiten kann und das zeitweise ja auch schon tut.

Es braucht Mut, Konventionen in Frage zu stellen, auch weil es bestimmte Vorstellungen von zeitgenössischer Ästhetik, von der Abgrenzung zu Folklore oder Laienkunst bis hin zur Einschätzung, was denn eigentlich relevante Kunst ist, neu zu befragen gilt. Der Gewinn wären eine nachhaltig innovative ästhetische und kulturpolitische Praxis sowie die Resonanz eines vielfältiger interessierten Publikums, das sich in hybriden Formen stärker zuhause fühlt.

Empfehlung 8: Gemeinsam Diskurse führen und hinterfragen

Wenn es um Diversität in der Kulturszene geht, und insbesondere um das Thema Migration, sind Diskursformationen wirksam, die wir auch aus Antidiskriminierungspolitiken in anderen Zusammenhängen kennen. Im Atelier Neue Schweiz zeigten sich vor allem drei Diskurskomplexe:

Qualität und Professionalität: Wir alle haben Vorstellungen davon, was gute Kunst oder hochstehende Kultur sind, nur bedingt aber lassen sich diese Vorstellungen in messbare Kriterien übersetzen. Die Bühne wird selten explizit Menschen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrung gegeben. Wenn es doch geschieht, und dazu noch mit ästhetischen Zugangsweisen, die wenig bekannt sind, durchkreuzt dies oft Wahrnehmungsroutinen. Dabei können Irritationen entstehen, die sich in einer Qualitätsdiskussion entladen können. Ohne die Frage der Qualität oder Professionalität zu disqualifizieren, muss jedoch gefragt werden, gemäss welchem Kanon und institutionell verankerter Verhältnisse Qualität definiert wird. (Schon länger bekannt ist dieses Phänomen aus der Beurteilung von Frauen in so genannten Männerbereichen. Je ungewöhnlicher es ist, dass jemand aus einer «Minderheit» eine bestimmte Position einnimmt, desto kritischer wird beurteilt. Dass dabei in unzulässiger Weise Diversität und Qualität gegeneinander ausgespielt werden, wird uns nicht bewusst.)

Identität und kulturelle Aneignung: Sind Diskriminierungserfahrungen übertragbar? Welche Rolle spielt die Hautfarbe? Wer darf was auf einer Bühne zeigen? In wessen Namen reden wir? Mit wem reden wir überhaupt (noch)? Das sind Fragen, die schon lange auf anderen Bühnen, in Museen und Kulturhäusern rund um den Globus virulent sind. Mit dem Atelier Neue Schweiz kamen sie auch nach Basel und lösten grosse Kontroversen rund um die Produktionen aus. Dabei entspannten sich auch im Kuratorium, unter den Teilnehmenden des Openspace und im Publikum zuweilen interessante Diskussionen. Schade war, dass weder das Projekt noch die Häuser in der Lage waren, diese weiterzuverfolgen und produktiv fruchtbar zu machen. Vielmehr blieb man immer wieder in einer Art schwierigen Pattsituation zwischen Anschuldigungen, Identitätslogiken und Opferkonkurrenz gefangen. Dabei zeiget sich sowohl Dringlichkeit der Anliegen, aber auch Überforderung aller Beteiligten.

Netzwerktreffen, Juni 2019

Damit verbunden – die Frage der Repräsentation: Die Frage, wie man die gelebte Vielfalt der Schweiz, wie Minderheiten und Diskriminierung zu repräsentieren vermag, war auch im Atelier Neue Schweiz zentral. Der einfachste Weg, nämlich sichtbare Diversität auf die Bühne zu bringen – und d.h. in diesem Fall People of Colour, Mensch mit einer sichtbaren Behinderung, Queer, Transmensch, Mensch mit einer Geschlechtsvariante (Inter) – bewährte sich zweifellos auch hier. Es bleibt aber der einfachste Weg und er birgt die Gefahr, dass Mehrfachzugehörigkeit nur noch über repräsentierbare Sichtbarkeit ausgestellt und verhandelt wird. Die Zwischentöne und Geschichten von viel leiseren Diskriminierungserfahrungen (z.B. sozialer Ungleichheit oder struktureller Bildungsbenachteiligung), die nicht direkt in dieser äusserlich sichtbaren Form plakativ personifiziert repräsentierbar sind, finden damit nach wie vor keinen Zugang zu den Bühnen und in die Kulturhäuser, sie sind aber gerade in historischer Hinsicht absolut relevant für die Narration einer postmigrantischen Schweiz. Eine intersektionelle Repräsentationsweise, die verschiedene Ebenen der Ungleichheit einbezieht, sollte daher konsequenter reflektiert werden, ohne in einen Tokenism zu verfallen. Repräsentation in einem weiten Sinn verstanden, erfordert demnach nicht eine essentialistische Weise der Vertretung (quasi: wer spricht?), sondern eine kollektive Kultur der Darstellung und Verkörperung von Differenz und Vielfalt (wie sprechen wir gemeinsam über uns alle?)

Dass die beschriebenen Diskurskomplexe Irritation hervorriefen, viel Energie banden und zum Teil bis zum Ende unaufgelöst blieben, zeigt, dass noch viel Arbeit ansteht, aber auch, dass die relevanten, ungelösten gesamtgellschaftlichen Fragen angegangen wurden. Das Atelier Neue Schweiz hat insofern Einsichten in die Konstruktion öffentlicher Kultur und Vielfalt eröffnen können, dass es den Finger auf den wunden Punkt gelegt hat. Die Biasfalle stellt sich auch aufgeklärten, vielfaltsoffenen und bewussten Institutionen und Communities. Dass man einen bestimmten Grad an Bewusstheit für Vielfalt, Rassismus und Diskriminierung hat, bedeutet noch nicht, dass man nicht Logiken und Diskursen folgt, die Ausschlüsse – wenn auch anderer Art – eher befördern als verhindern. Durch die gemeinsame Auseinandersetzung mit Inhalten und Ästhetiken entsteht Reibung, die zuweilen anstrengend und zeitintensiv ist. Der Prozess hat gezeigt, dass die Auseinandersetzung zugelassen werden und ihr Raum eingeräumt werden muss – mit dem Ziel aus dieser Reibung in einen Reflexionzusammenhang zu gelangen, der diese diskursiv fruchtbar macht, ohne einfach vorhandenen Diskursformationen zu folgen. Das Atelier Neue Schweiz war dort besonders stark, wo diese Auseinandersetzung geführt und initiiert wurden, intern aber auch auf der Bühne, beim Apéro oder auch in der Nachbearbeitung. Unterschiedliche kritische und vielfältige Räume für Diskurs und Diskussion sind allenfalls nicht einfach Rahmenprogramm sondern Kernaufgabe von Kulturinstitutionen. Nur so kann die Neuverhandlung kultureller Repräsentation von Vielfalt und Zugehörigkeit in der postmigrantischen Schweiz stattfinden.

Empfehlung 9: Strategie entwickeln

Wenn man die klassischen institutionellen Öffnungsbereiche betrachtet (Programm – Publikum – Personal – Partnerschaften), so hat der Prozess mit dem Atelier Neue Schweiz wertvolle Ergebnisse auf unterschiedlichen Ebenen gebracht. Dabei versteht sich von selber, dass Fortschritte in den einzelnen Bereichen nicht unabhängig voneinander, sondern eng miteinander verwoben sind. Deklariertes Ziel des Projektes war es, durch ein verändertes Programm ein anderes Publikum anzusprechen, was mit beiden Veranstaltungen zweifellos gelang. Das veränderte Programm und die neuen Partnerschaften vermochten ein anderes Publikum anzuziehen, und andere Herangehensweisen brachten eine erste Sensibilisierung der Teams mit sich. Insgesamt kann man bei beiden Häusern sicher von einer Wirkung auf die gesamte Institution sprechen.

Allerdings wäre es naiv zu glauben, dass damit die Häuser geöffnet und die Arbeit erledigt ist. Öffnungsprozesse sind eine langwierige Angelegenheit, weil sie so Grundsätzliches wie Strukturen, Arbeits- und Umgangskultur sowie die Haltung der Institutionen selbst betreffen. Das Atelier Neue Schweiz hat aber mit Sicherheit den Reflexionsraum für eine Öffnung geschaffen und Anstösse dazu gegeben. Es war so zu sagen der Kickoff für einen viel längerfristigen Veränderungsprozess in Richtung Öffnung und Vielfalt. Wichtig ist es nun, diesen Anstoss zu nutzen und das Ziel der Öffnung systematisch zu verfolgen.

Unabdingbare Voraussetzung dafür bleibt der Wille zur Veränderung der Institutionen. Dieser zeigt sich unter anderem auch in die Investitionen in Personal und andere Ressourcen. Denn Vielfalt ist nicht umsonst zu haben, auch das hat das zeit- und arbeitsintensive Projekt gezeigt. Es benötigt eine langfristige Strategie mit entsprechenden Umsetzungsmassnahmen auf allen Ebenen. Es braucht diversitätskompetentes Prozess- und Umsetzungswissen. Und damit es nicht bei Wunschdenken und Lippenbekenntnissen bleibt, braucht es auch die entsprechenden Controllingmechanismen. Nur so können die Häuser auf eine Öffnung zusteuern, an deren Ende auch ein vielfältigeres Personal Eingang in die Teams findet. Fruchtbar scheint dabei die Haltung, dass eine strategische Öffnung nicht eine einfache Managementfrage ist, die Antidiskriminierungsarbeit oder blosses Audience Development bezweckt. Stattdessen beinhaltet der Prozess, dass gemäss der «Regeln der Kunst» neue ästhetische Ansätze entwickelt werden können und eine gesellschaftspolitisch relevantere öffentliche Kultur entsteht.

Dass sowohl Kaserne, wie Literaturhaus mit zwei weiteren Basler Kulturinstitutionen nun Teil eines mehrjährigen von der Abteilung Kultur initiierten und professionell begleiteten Prozesses der Öffnung sind, kann durchaus als direkter Effekt des Ateliers Neue Schweiz gewertet werden.

«Being Here, Doing This. Vol. 2», volles Haus im Literaturhaus Basel, November 2019
Literaturhaus Basel, November 2019

Empfehlungen an die Förderinstitutionen

Um den Anstoss für einen Öffnungsprozess zu bekommen, benötigen Kulturinstitutionen Kooperationen wie diese im Atelier Neue Schweiz. Solche Projekte ihrerseits sind existentiell von Förderung abhängig. Insgesamt sind Förderinstitutionen prägend für das Kulturgeschehen in der Schweiz und prägen damit die Strukturen mit. Sie haben deshalb eine wichtige Funktion bei der Öffnung der Institutionen. Die folgenden vier Empfehlungen für die Förderinstitutionen ergeben sich aus der Erfahrung, die wir im Atelier Neue Schweiz gemacht haben:

  1. Diversität in der Spartenförderung verankern: Extra Förderung für die Anliegen der Teilhabe und Öffnung von Kulturinstitutionen ist sicher ein guter Anfang. Ein vielfältigeres Verständnis von zeitgenössischem Professionellen Kulturschaffen, und damit auch die Einbindung von Kulturschaffenden mit Migrationsgeschichten und Rassismuserfahrungen aller Art muss aber dringend Eingang in die Spartenförderung finden, sowohl auf nationaler, wie auch auf kantonaler Ebene, in der öffentlichen Förderung, sowie im privaten Stiftungswesen. Es gehört als wichtiger transversaler gesellschaftlicher Anspruch ins Kerngeschäft der Kulturförderung. Dazu kommt mit Fokus auf die postmigrantische Gesellschaft, dass spannende, community-orientierte Projekte, oft an der Schnittstelle von Kultur (professionell/Laien), Integration und Soziokultur angesiedelt sind. Und so oft zwischen «Stuhl und Bank» fallen.

  2. Kanon hinterfragen: Wegweisend für den Zugang und die Teilhabe von vielfältigeren Künstler*innen und neuen Projekten ist das Bewusstsein dafür, dass unserem Kunstverständnis gewachsene Vorstellungen von Professionalität, Qualität und Zeitgenossenschaft zugrunde liegen, die einem «westlichen», weissen und elitären Kanon gehorchen. Nur wenn wir bereit sind, dessen Zustandekommen zu reflektieren und seine Prämissen zu hinterfragen, wird auch Platz für andere Zugänge entstehen können. Dies ist ein komplexer Prozess, der die Bereitschaft zur Auseinandersetzung, Zeit und Ressourcen braucht.

  3. Förderlogik aufbrechen: Im Atelier Neue Schweiz konnte eine Differenzerfahrung stattfinden, die viel Wissen zu Bedingungen von Teilhabe und zur Öffnung der Institutionen generiert hat. Eine der grossen Schwierigkeiten des Projektes bestand allerdings darin, die im Förderantrag zum Teil vorweggenommenen Ergebnisse zu erfüllen und der Logik der Produktion als «dem» massgebende Endprodukt zu genügen. Dabei wurde im Verlauf klar, dass a) in partizipativen Prozessen – wird Partizipation wirklich ernst genommen – keine Resultate vorweggenommen werden können, und dass b) es zu kurz greift, ein Projekt, das sich als Prozess versteht, isoliert nur anhand des ästhetischen Outputs seiner Produktionen zu beurteilen (der wiederum am herrschenden Kanon gemessen wird). Wenn es um die Veränderung von gewachsenen Strukturen geht, muss die Förderung deshalb viel stärker in offene Prozesse investieren, in denen auch scheitern als Teil von Lernprozessen möglich und richtig ist und in denen dazu ermutigt wird, sich Zeit für Reflexion zu nehmen. Nur die Ermöglichung solcher Prozesse können auch in den Institutionen nachhaltige strukturelle Veränderungen in Richtung Öffnung bewirken.

  4. Community-Aufbau unterstützen: Das Atelier Neue Schweiz hat gezeigt, wie wichtig es für die Öffnung der Institutionen ist, auf ein Netzwerk von Kulturschaffenden mit Migrationsbiografie und Rassismuserfahrung zurückgreifen zu können. Das Vernetzungsbedürfnis wurde unter den Teilnehmenden des Openspace klar artikuliert und ist auch ein klares Desiderat der Kulturinstitutionen. Die Mechanismen des Ausschlusses funktionieren über Unsichtbarkeit. (Das Phänomen ist auch aus der Frauengleichstellung bekannt; Politikerinnen, Expertinnen, Künstlerinnen gibt es nicht, es sei denn man macht sich auf die Suche.) Das heisst, dass Kulturschaffende mit Migrationsbiografie und Rassismuserfahrung oft zuerst identifiziert werden müssen, um überhaupt in einem Netzwerk zum Tragen zu kommen. Und ein Netzwerk muss unterhalten werden, damit es sich entfalten kann. Solches ist mit Aufwand verbunden, den sich kaum eine Institution leisten kann. Die Förderinstitutionen sollten hier investieren.

 

 

Institutionelle Öffnung der Kulturhäuser - Erfahrungen und Empfehlungen

Donnerstag, 3. Juni 2021

Von Inés Mateos

 

Im 2019 starteten das Literaturhaus und die Kaserne Basel mit dem Institut Neue Schweiz INES das Projekt Atelier Neue Schweiz Basel, bei dem die Öffnung hin zur postmigrantischen Schweiz der beiden Kulturhäuser im Zentrum stand. Über den angestossenen Transformationsprozess spricht Inés Mateos von INES mit Sandro Lunin, dem Leiter Kaserne Basel, und mit Katrin Eckert, der Leiterin des Literaturhaus Basel. Hier kann das Gespräch angesehen werden. Auf der Grundlage der Erfahrungen des Projekts sind zehn Empfehlungen erarbeitet worden.

#DeepDiversity

Demokratie und Vielfalt in der Kultur – eine kulturpolitische Debatte
5.Juni 2021 15:00 – 19:00

 

Begriffe wie «kulturelle Teilhabe», «kulturelle Identität» oder «institutionelle Öffnung» sind verstärkt präsent in der Kulturszene. Das Institut Neue Schweiz INES, der postmigrantische Think und Act Tank, fragt nach, was sich denn nun tatsächlich tut und wohin die Zukunft weist.

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

An dieser Stelle wird das Glossar #NeueSchweiz zukünftig die relevanten Begriffe vorstellen, um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz zu verstehen – fundiert und kritisch. Ausgangslage bilden die beiden Begriffe #NeueSchweiz und #DeepDiversity.

Neue Initiativen zu Repräsentation in den Medien

Dienstag, 1. Juni 2021

Von Institut Neue Schweiz

 

raumsinn / dani fels

Obwohl die Schweiz vielfältig ist, sind Menschen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrung, People of Color, Stimmen mit Akzenten und «ausländisch» klingenden Namen in den Medien stark unterrepräsentiert. Zunehmend mehr Initiativen nehmen diese Missstände als Anlass, eigene Projekt aufzubauen. In einem Webinar, das von den Neuen Schweizer Medienmacher*innen und Lucify.ch in Zusammenarbeit mit dem Institut Neue Schweiz INES organisiert wurde, kamen sie miteinander ins Gespräch. Hier kann das Video angesehen werden.

Frag mich, wo ich zu Hause bin
Schulgeschichten der postmigrantischen Schweiz

18.Juni 2021 19:30 – 21:00

 

Vernissage der online-Geschichtensammlung: "Frag mich, wo ich zu Hause bin - Geschichtensammlung der Neuen Schweiz"

In der Schweiz Zuhause – ausgeschafft in ein fremdes Land

Sonntag, 30. Mai 2021

Von Institut Neue Schweiz und Demokratische Juristinnen und Juristen Zürich

 

Babak Fargahi, Rechtsanwalt

In der Schweiz können seit je her Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, ausgeschafft werden. Nur weil sie den Schweizer Pass nicht besitzen. Mit Annahme der Ausschaffungsinitiative und Verschärfungen im Bürgerrecht hat sich die Situation noch mehr verschlechtert. Rechtsanwalt Babak Fargahi, Filmhistorikerin Marcy Goldberg, Buket Bicer-Zimmermann, Schwester eines in die Türkei ausgeschafften Secondo, und Ständerat Paul Rechsteiner haben am 24. Mai 2021 im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kosmopolitics über diese Missstände gesprochen. Hier kann das Video angesehen werden.

«Was hat dein Name für eine Sprache?»

Donnerstag, 20. Mai 2021

Von Cathrine Lutz, Co-Leiterin Projekt «Schul-Geschichte der Neuen Schweiz»

 

Postmigrantische Schulgeschichten der Neuen Schweiz - Mitwirkende an der Geschichtensammlung erzählen von ihren Erlebnissen in der Schule.

Junge Muslim*innen zwischen Teilhabe und Rechtfertigungsdruck

Donnerstag, 15. April 2021

Von Asmaa Dehbi

 

Am 7. März 2021 hat die Schweizer Stimmbevölkerung über die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» abgestimmt. An einem Freitagabend kurz vor der Abstimmung sprechen junge Muslim*innen auf der Zürcher Jugendplattform «Project Träff» darüber, wie sie die Diskussionen rund um das Thema Verhüllung wahrnehmen.

ÖFFENTLICHER APPELL: WIRTSCHAFTLICHE NOT IN ZEITEN DER CORONA-KRISE DARF AUFENTHALTSSTATUS UND EINBÜRGERUNGEN NICHT GEFÄHRDEN – SEIEN WIR AUCH HIER SOLIDARISCH!

Freitag, 1. Mai 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Krise. Viele Menschen sind von Arbeitslosigkeit bedroht, werden auf Sozialhilfe angewiesen sein und müssen Schulden aufnehmen, auch in der Schweiz. Das hat massive finanzielle und soziale Auswirkungen, aber auch – was viele nicht wissen – rechtliche Folgen. Bei Entscheiden zum Aufenthaltsstatus und zur Einbürgerung spielt das Kriterium ›wirtschaftliche Integration‹ eine massgebliche Rolle. Die Corona-Pandemie ist auch deswegen für viele eine existenzielle Bedrohung. Dies betrifft potenziell ein Viertel der Wohnbevölkerung, die kein Schweizer Bürgerrecht haben, aber das Land tagtäglich mittragen und mitgestalten.

#NeueSchweiz

Tradition und Identität im Kontext postkolonialer Verstrickungen

Freitag, 6. März 2020

Von Halua Pinto de Magalhães

 

"Protestdemo" von FasnächtlerInnen - August 2018 (Quelle: Tageswoche, Hans-Jörg Walter)

Aufgrund des Corona-Virus wurde dieses Jahr unter anderem die Basler Fasnacht abgesagt. Die Kritik der antirassistischen Bewegung an der Fasnacht bleibt. Es stellt sich insbesondere immer noch die Frage, weshalb diese sogenannten Traditionen sowohl bei ihren Kritikern, als auch bei eingeschworenen FasnächtlerInnen so viele Emotionen auslösen. Halua Pinto de Magalhães sucht auf dem INES Blog „Stimmen der Neuen Schweiz“ nach antworten.

"Ich bin Secondo, also bin ich."

Dienstag, 21. Januar 2020

Von Uğur Gültekin

 

Samir und Ugur Gültekin.

Der Filmemacher Samir und Uğur Gültekin (INES-Institutsleitung und Journalist) tauschen sich in diesem postmigrantischen Generationengespräch über das Erwachsenwerden in unterschiedlichen Jahrzehnten aus. Dabei entdecken sie Gemeinsamkeiten, blicken auf hoffnungsspendende Momente zurück und werden über den Fakt überrascht, dass sie ohne sich zu kennen, durch die Arbeit des anderen empowert wurden.

«Für Hunde und Italiener verboten» - Ein Gespräch mit Angelo Maiolino

Montag, 15. Juli 2019

Von Tarek Naguib

 

Angelo Maiolino war Dozent und wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für politische Philosophie der Universität Zürich. Gegenwärtig arbeitet der Familienvater als Gymnasiallehrer an einer Zürcher Kantonsschule. Im Jahr 2011 hat er das Buch „Als die Italiener noch Tschinggen waren“ im Rotpunktverlag publiziert. Drei Jahre später erschien seine Doktorarbeit mit dem Titel „Politische Kultur in Zeiten des Neoliberalismus“ im Transcript Verlag. Tarek Naguib hat Angelo Maiolino getroffen und mit ihm zurückgeschaut auf die Schwarzenbach-Initiative und die Lebensrealitäten von italienischen Gastarbeitern in der Schweiz und gefragt was diese Erfahrungen für die Gegenwart und die Zukunft der Migrationsgesellschaft Schweiz bedeuten.

Hautverdächtig – Rassistische Polizeikontrollen auf der Anklagebank

Donnerstag, 16. Mai 2019

Von Mohamed Wa Baile und Ellen Höhne

 

»Hautverdächtig« ist die theatralische Dokumentation und Reinszenierung eines Schweizer Gerichtsfalls zu Racial Profiling, der im Jahr 2015 begann und mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig ist. Dieser experimentelle Text bringt die institutionalisierte Diskriminierungspraxis der Polizei ans Licht, in der täglich Menschen verdächtigt, willkürlich aufgehalten und als Rassisierte ausgeschlossen werden.

Vorschau: Eine Neue Schweiz!

Dienstag, 2. März 2021

Von Institut Neue Schweiz

 

Die Neue Schweiz ist längst da – voller Migration, Vielfalt und Mehrfachzugehörigkeit! Sie muss nur sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Das HANDBUCH NEUE SCHWEIZ, das voraussichtlich im Herbst 2021 erscheint, bietet eine Standortbestimmung zu laufenden postmigrantischen, rassismuskritischen und intersektionalen Debatten und Visionen und vereint visionäre Essays, biografische Stories und literarische Texte mit einer Vielfalt von künstlerischen Bildbeiträgen. Ein Glossar und Random Facts versammeln praktische Werkzeuge für alltägliche und fachliche Gespräche und Debatten.

memleket Folge 11: Wir sind die Mehrheit - mit Albina Muhtari

Freitag, 9. April 2021

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket Folge 11: Wir sind die Mehrheit - mit Albina Muhtari

Do the Right Thing! #NeueSchweiz im Kino im Kocher

Mittwoch, 9. September 2020

Von Friends of INES aka FRINES, Mardoché Kabengele

 

*Am 22. August zeigte das gratis Openairkino „Kino im Kocher“ den Film „Do the Right Thing vom Schwarzen Regisseur, Produzenten und Schauspieler Spike Lee. Sie wollten für das diesjährige Event eine klare Position gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus beziehen. Das Institut Neue Schweiz (INES) und sein Förderverein Friends of INES (FrINES) waren mit einer Eröffnungsrede von Mardoché Kabengele und Lucia Aguilar und einem Stand vor Ort. **

Für alle Menschen, die hier leben und die noch kommen werden

Montag, 15. Juni 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Seit George Floyd durch rassistische Polizeigewalt in den USA ums Leben gebracht wurde, ist die Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung auch in der Schweiz deutlich spürbar, in öffentlichen Debatten, auf der Strasse und persönlichen Gesprächen. Das Institut Neue Schweiz (INES) solidarisiert sich mit diesen Protesten und dem Kampf gegen einen spezifischen anti-Schwarzen Rassismus.

memleket Folge 10: Von wegen Chancengleichheit! Ein Gespräch mit Aygül Pala

Donnerstag, 8. April 2021

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket Folge 10: Von wegen Chancengleichheit! Ein Gespräch mit Aygül Pala

Institutionelle Öffnung der Kulturhäuser - Erfahrungen und Empfehlungen

Donnerstag, 3. Juni 2021

Von Inés Mateos

 

Im 2019 starteten das Literaturhaus und die Kaserne Basel mit dem Institut Neue Schweiz INES das Projekt Atelier Neue Schweiz Basel, bei dem die Öffnung hin zur postmigrantischen Schweiz der beiden Kulturhäuser im Zentrum stand. Über den angestossenen Transformationsprozess spricht Inés Mateos von INES mit Sandro Lunin, dem Leiter Kaserne Basel, und mit Katrin Eckert, der Leiterin des Literaturhaus Basel. Hier kann das Gespräch angesehen werden. Auf der Grundlage der Erfahrungen des Projekts sind zehn Empfehlungen erarbeitet worden.

#DeepDiversity

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

An dieser Stelle wird das Glossar #NeueSchweiz zukünftig die relevanten Begriffe vorstellen, um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz zu verstehen – fundiert und kritisch. Ausgangslage bilden die beiden Begriffe #NeueSchweiz und #DeepDiversity.

Frag mich, wo ich zu Hause bin
Schulgeschichten der postmigrantischen Schweiz

18.Juni 2021 19:30 – 21:00

 

Vernissage der online-Geschichtensammlung: "Frag mich, wo ich zu Hause bin - Geschichtensammlung der Neuen Schweiz"

«Was hat dein Name für eine Sprache?»

Donnerstag, 20. Mai 2021

Von Cathrine Lutz, Co-Leiterin Projekt «Schul-Geschichte der Neuen Schweiz»

 

Postmigrantische Schulgeschichten der Neuen Schweiz - Mitwirkende an der Geschichtensammlung erzählen von ihren Erlebnissen in der Schule.

ÖFFENTLICHER APPELL: WIRTSCHAFTLICHE NOT IN ZEITEN DER CORONA-KRISE DARF AUFENTHALTSSTATUS UND EINBÜRGERUNGEN NICHT GEFÄHRDEN – SEIEN WIR AUCH HIER SOLIDARISCH!

Freitag, 1. Mai 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Krise. Viele Menschen sind von Arbeitslosigkeit bedroht, werden auf Sozialhilfe angewiesen sein und müssen Schulden aufnehmen, auch in der Schweiz. Das hat massive finanzielle und soziale Auswirkungen, aber auch – was viele nicht wissen – rechtliche Folgen. Bei Entscheiden zum Aufenthaltsstatus und zur Einbürgerung spielt das Kriterium ›wirtschaftliche Integration‹ eine massgebliche Rolle. Die Corona-Pandemie ist auch deswegen für viele eine existenzielle Bedrohung. Dies betrifft potenziell ein Viertel der Wohnbevölkerung, die kein Schweizer Bürgerrecht haben, aber das Land tagtäglich mittragen und mitgestalten.

"Ich bin Secondo, also bin ich."

Dienstag, 21. Januar 2020

Von Uğur Gültekin

 

Samir und Ugur Gültekin.

Der Filmemacher Samir und Uğur Gültekin (INES-Institutsleitung und Journalist) tauschen sich in diesem postmigrantischen Generationengespräch über das Erwachsenwerden in unterschiedlichen Jahrzehnten aus. Dabei entdecken sie Gemeinsamkeiten, blicken auf hoffnungsspendende Momente zurück und werden über den Fakt überrascht, dass sie ohne sich zu kennen, durch die Arbeit des anderen empowert wurden.

Hautverdächtig – Rassistische Polizeikontrollen auf der Anklagebank

Donnerstag, 16. Mai 2019

Von Mohamed Wa Baile und Ellen Höhne

 

»Hautverdächtig« ist die theatralische Dokumentation und Reinszenierung eines Schweizer Gerichtsfalls zu Racial Profiling, der im Jahr 2015 begann und mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig ist. Dieser experimentelle Text bringt die institutionalisierte Diskriminierungspraxis der Polizei ans Licht, in der täglich Menschen verdächtigt, willkürlich aufgehalten und als Rassisierte ausgeschlossen werden.

memleket Folge 11: Wir sind die Mehrheit - mit Albina Muhtari

Freitag, 9. April 2021

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket Folge 11: Wir sind die Mehrheit - mit Albina Muhtari

Für alle Menschen, die hier leben und die noch kommen werden

Montag, 15. Juni 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Seit George Floyd durch rassistische Polizeigewalt in den USA ums Leben gebracht wurde, ist die Solidarität mit der Black Lives Matter-Bewegung auch in der Schweiz deutlich spürbar, in öffentlichen Debatten, auf der Strasse und persönlichen Gesprächen. Das Institut Neue Schweiz (INES) solidarisiert sich mit diesen Protesten und dem Kampf gegen einen spezifischen anti-Schwarzen Rassismus.

Demokratie und Vielfalt in der Kultur – eine kulturpolitische Debatte
5.Juni 2021 15:00 – 19:00

 

Begriffe wie «kulturelle Teilhabe», «kulturelle Identität» oder «institutionelle Öffnung» sind verstärkt präsent in der Kulturszene. Das Institut Neue Schweiz INES, der postmigrantische Think und Act Tank, fragt nach, was sich denn nun tatsächlich tut und wohin die Zukunft weist.

Neue Initiativen zu Repräsentation in den Medien

Dienstag, 1. Juni 2021

Von Institut Neue Schweiz

 

raumsinn / dani fels

Obwohl die Schweiz vielfältig ist, sind Menschen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrung, People of Color, Stimmen mit Akzenten und «ausländisch» klingenden Namen in den Medien stark unterrepräsentiert. Zunehmend mehr Initiativen nehmen diese Missstände als Anlass, eigene Projekt aufzubauen. In einem Webinar, das von den Neuen Schweizer Medienmacher*innen und Lucify.ch in Zusammenarbeit mit dem Institut Neue Schweiz INES organisiert wurde, kamen sie miteinander ins Gespräch. Hier kann das Video angesehen werden.

In der Schweiz Zuhause – ausgeschafft in ein fremdes Land

Sonntag, 30. Mai 2021

Von Institut Neue Schweiz und Demokratische Juristinnen und Juristen Zürich

 

Babak Fargahi, Rechtsanwalt

In der Schweiz können seit je her Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, ausgeschafft werden. Nur weil sie den Schweizer Pass nicht besitzen. Mit Annahme der Ausschaffungsinitiative und Verschärfungen im Bürgerrecht hat sich die Situation noch mehr verschlechtert. Rechtsanwalt Babak Fargahi, Filmhistorikerin Marcy Goldberg, Buket Bicer-Zimmermann, Schwester eines in die Türkei ausgeschafften Secondo, und Ständerat Paul Rechsteiner haben am 24. Mai 2021 im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kosmopolitics über diese Missstände gesprochen. Hier kann das Video angesehen werden.

Junge Muslim*innen zwischen Teilhabe und Rechtfertigungsdruck

Donnerstag, 15. April 2021

Von Asmaa Dehbi

 

Am 7. März 2021 hat die Schweizer Stimmbevölkerung über die Volksinitiative «Ja zum Verhüllungsverbot» abgestimmt. An einem Freitagabend kurz vor der Abstimmung sprechen junge Muslim*innen auf der Zürcher Jugendplattform «Project Träff» darüber, wie sie die Diskussionen rund um das Thema Verhüllung wahrnehmen.

#NeueSchweiz

Tradition und Identität im Kontext postkolonialer Verstrickungen

Freitag, 6. März 2020

Von Halua Pinto de Magalhães

 

"Protestdemo" von FasnächtlerInnen - August 2018 (Quelle: Tageswoche, Hans-Jörg Walter)

Aufgrund des Corona-Virus wurde dieses Jahr unter anderem die Basler Fasnacht abgesagt. Die Kritik der antirassistischen Bewegung an der Fasnacht bleibt. Es stellt sich insbesondere immer noch die Frage, weshalb diese sogenannten Traditionen sowohl bei ihren Kritikern, als auch bei eingeschworenen FasnächtlerInnen so viele Emotionen auslösen. Halua Pinto de Magalhães sucht auf dem INES Blog „Stimmen der Neuen Schweiz“ nach antworten.

«Für Hunde und Italiener verboten» - Ein Gespräch mit Angelo Maiolino

Montag, 15. Juli 2019

Von Tarek Naguib

 

Angelo Maiolino war Dozent und wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für politische Philosophie der Universität Zürich. Gegenwärtig arbeitet der Familienvater als Gymnasiallehrer an einer Zürcher Kantonsschule. Im Jahr 2011 hat er das Buch „Als die Italiener noch Tschinggen waren“ im Rotpunktverlag publiziert. Drei Jahre später erschien seine Doktorarbeit mit dem Titel „Politische Kultur in Zeiten des Neoliberalismus“ im Transcript Verlag. Tarek Naguib hat Angelo Maiolino getroffen und mit ihm zurückgeschaut auf die Schwarzenbach-Initiative und die Lebensrealitäten von italienischen Gastarbeitern in der Schweiz und gefragt was diese Erfahrungen für die Gegenwart und die Zukunft der Migrationsgesellschaft Schweiz bedeuten.

Vorschau: Eine Neue Schweiz!

Dienstag, 2. März 2021

Von Institut Neue Schweiz

 

Die Neue Schweiz ist längst da – voller Migration, Vielfalt und Mehrfachzugehörigkeit! Sie muss nur sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Das HANDBUCH NEUE SCHWEIZ, das voraussichtlich im Herbst 2021 erscheint, bietet eine Standortbestimmung zu laufenden postmigrantischen, rassismuskritischen und intersektionalen Debatten und Visionen und vereint visionäre Essays, biografische Stories und literarische Texte mit einer Vielfalt von künstlerischen Bildbeiträgen. Ein Glossar und Random Facts versammeln praktische Werkzeuge für alltägliche und fachliche Gespräche und Debatten.

Do the Right Thing! #NeueSchweiz im Kino im Kocher

Mittwoch, 9. September 2020

Von Friends of INES aka FRINES, Mardoché Kabengele

 

*Am 22. August zeigte das gratis Openairkino „Kino im Kocher“ den Film „Do the Right Thing vom Schwarzen Regisseur, Produzenten und Schauspieler Spike Lee. Sie wollten für das diesjährige Event eine klare Position gegen Polizeigewalt und strukturellen Rassismus beziehen. Das Institut Neue Schweiz (INES) und sein Förderverein Friends of INES (FrINES) waren mit einer Eröffnungsrede von Mardoché Kabengele und Lucia Aguilar und einem Stand vor Ort. **

memleket Folge 10: Von wegen Chancengleichheit! Ein Gespräch mit Aygül Pala

Donnerstag, 8. April 2021

Von Stimmen der Neuen Schweiz

 

memleket Folge 10: Von wegen Chancengleichheit! Ein Gespräch mit Aygül Pala

INES