Glossar

#DeepDiversity

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Gemäss einer OECD-Studie hatte im Jahr 2013 über die Hälfte der zwischen 15- und 34-Jährigen einen Migrationshintergrund. Solche statistischen Daten können den tiefreichenden sozialen, politischen und kulturellen Wandel, den die Schweizer Gesellschaft aufgrund von Einwanderung erlebt, nur sehr begrenzt abbilden. Klar ist jedoch: Für viele Bewohner*innen der Schweiz sind Migrationserfahrungen, transnationale Lebenswelten, Mehrfachzugehörigkeiten und interkultureller Austausch nichts Fremdes, sondern Normalität – in der eigenen Biografie, in der Familie, der Diaspora, unter Freunden, bei der Arbeit, in Medien oder Popkultur. Die im Alltag gelebte migrationsbedingte Vielfalt wird jedoch in Bereichen, die gesellschaftliche Diskurse, politische Entscheide und institutionelle Prozesse beeinflussen, nicht angemessen abgebildet, etwa in Parlamenten, Redaktionen, Verwaltungen, Kultur- und Bildungseinrichtungen. Laufende politische und öffentliche Diskurse sind nicht imstande, die Pluralisierung der Gesellschaft angemessen zu reflektieren, auch deswegen, weil sie weiterhin an der viel zu einfachen Unterscheidung zwischen Einheimischen und Ausländern, zwischen Eigenem und Fremdem festhalten.

Seit über hundert Jahren wird in der Schweiz und anderen Ländern die Frage diskutiert, wie Migration, Vielfalt, Demokratie und Citizenship in modernen Nationalstaaten zusammenhängen. Eigentlich gäbe es also einen reichhaltigen Wissens- und Erfahrungsschatz, auf den man heute zurückgreifen könnte. Doch leider gibt es kein öffentliches Bewusstsein für diese Geschichte. Die medialen und politischen Debatten zu dem Thema scheinen daher immer wieder bei null anzufangen. Gleichzeitig reproduzieren sich in der Öffentlichkeit fortlaufend politische Vorstellungen und Reflexe aus dem 19. Jahrhundert, die der komplexen Realität von Einwanderungsgesellschaften wie der Schweiz nicht gerecht werden können.
So lebt in gegenwärtigen Debatten zu Migration und Vielfalt auch die über hundert Jahre alte Forderung nach Assimilation fort. Der eingewanderte „Fremde“ soll sich möglichst bis zur Unkenntlichkeit „an die Schweiz“ anpassen. Alle sollen gleich werden. Auch wenn man heute Integration statt Assimilation sagt, bleibt das Grundproblem ungelöst: An welche der unterschiedlichen Lebensrealitäten im Land sollen sich „die Ausländer“ eigentlich anpassen? Wie jede moderne Gesellschaft ist auch die Schweiz in sich immer schon vielfältig, voller Parallelwelten mit eigenen Werten und Vorstellungen – nicht nur wegen ihrer Sprachregionen. Die einen schütteln zur Begrüssung die Hand, die anderen nicht. Die Grenzen der alten Assimilationslogik werden hier deutlich: Was ist, wenn sich neue Zuwanderer an die Lebensweisen von Schweizer*innen mit Migrationsgeschichte und Mehrfachzugehörigkeit anpassen? Und wie soll man sich eigentlich anpassen, wenn die eigene Hautfarbe nicht zum dominanten Bild einer „richtige“ Schweizer*in passt? Der politische Forderung sich zu assimilieren bzw. zu integrieren ist letztlich eine paradoxe Zumutung, die nicht erst seit gestern vor allem auf Disziplinierung und Dominanz abzielt. Die Einbürgerungsgesetze der Schweiz sind Ausdruck dieser eigentlich überholten aber weiterhin wirkmächtigen Vorstellungen von Assimilation.

Die empirische Migrationsforschung hat seit den 1960er Jahren gezeigt, dass Assimilations- und Integrationsprozesse keiner allgemeinen Regel folgen, sich auf sehr unterschiedlichen Ebenen abspielen und letztlich in gelebte Vielfalt statt gesellschaftlicher Homogenität münden. Trotzdem wirkt es in den migrationspolitischen Debatten der letzten Jahre wieder zunehmend so, als gäbe es nur eine Alternative: forcierte Assimilation oder ethnische Parallelgesellschaften. Im Gegensatz zu diesem ideologische Zerrbild beruht die migrationsbedingte Vielfalt in der Schweiz faktisch auf einem vielschichtigen Wechselspiel von stets partieller Angleichung und Differenz – ein Prozess, aus dem fortlaufend neue soziokulturelle Mischformen hervorgehen. Vielfalt in der Schweiz ist in dem Sinne weder einfach gut noch schlecht, und auch kein unmittelbares Ergebnis von Einwanderung. Es handelt sich vielmehr um eine historisch entstandene Realität, die im Zusammenspiel von Migration, partiellen Inklusionsangeboten und gesellschaftlicher Marginalisierung geboren wurde. Unter dem Radar der Dominanzgesellschaft ist so in den letzten fünfzig Jahren eine #NeueSchweiz der multiplen Identitäten und Mehrfachzugehörigkeiten entstanden, die sich jedoch bislang nicht in den offiziellen Teilhabestrukturen, Selbstbildern und Institutionen der Schweiz widerspiegelt.

Ausgehend von den Debatten um Integration und Multikulturalismus, die seit den 1980er Jahren vor allem in den Städten geführt wurden, wird migrationsbedingte Vielfalt auch in der Schweiz nicht mehr nur als Bedrohung, sondern auch als Bereicherung wahrgenommen. Doch Bereicherung wird in der Schweizer Öffentlichkeit vor allem ökonomisch verstanden: Migration und Vielfalt sollen sich für die „Aufnahmegesellschaft“ rentieren. Sicherlich ist gesellschaftliche Pluralisierung durch Einwanderung in vielerlei Hinsicht ein Gewinn. Aber man muss schon genau hinsehen, wer Migration und kulturelle Vielfalt konsumieren bzw. davon profitieren kann und wer nicht? Geht die wirtschaftliche Verwertung von kultureller Vielfalt auch mit einer politischen, sozialen und rechtlichen Öffnung von Teilhabemöglichkeiten einher, oder nicht? Einfach gesagt: Pizza essen – Ja, Einbürgerung der Pizzabäcker – Nein? Und was ist, wenn gelebte Vielfalt sich nicht direkt auszahlt, sondern Kosten verursacht, Spannungen erzeugt und Probleme bereitet? Anstatt soziokulturelle Konflikte pragmatisch, ruhig und sachlich anzugehen, wird schnell wieder der Ruf nach Abschottung, Assimilation und einer dominanten "Leitkultur" laut. Zunehmend zeigt sich, dass die Wahrnehmung von Vielfalt als Bedrohung bzw. Bereicherung in der Schweiz zwei Seiten einer Medaille bilden. Seit Jahren werden Ängste und rassistische Vorurteile gegenüber den "gefährlichen Fremden" mobilisiert, die tief in der kollektiven Vorstellungswelt der Schweiz verankert sind. Sie reichen weit in die Zeit des europäischen Kolonialismus zurück, in der die Schweiz – auch wenn dies zumeist verdrängt wird – wirtschaftlich, logistisch, wissenschaftlich und ideologisch involviert war. Man denke etwa an die sogenannten Völkerschauen, die Rassenforschung oder an die erste eidgenössische Volksinitiative von 1893 für ein Schächtungsverbot, die antisemitisch motiviert war. Vor dem Hintergrund dieses in der Schweizer Öffentlichkeit noch weitestgehend unaufgearbeiteten historischen Erbes kann die Rede von kultureller Vielfalt auch schnell in die Betonung unüberbrückbarer kultureller Differenzen kippen und Ausgrenzungstendenzen verstärken. Soziale, politische, rechtliche und ökonomische Marginalisierung erscheint so auf einmal legitim.
Nichtsdestotrotz – oder gerade wegen diesem globalen Horizont – war die Schweiz bis im späten 19. Jahrhundert politisch relativ liberal und allenfalls sogar kosmopolitischer als heute. Einwanderung war ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Gründerschweiz – und Teil des politischen Modells. Politische Flüchtlinge aus Deutschland begründeten die Universitäten mit, Italiener*innen bauten die grossen Infrastrukturen wie den Gotthard und betrieben die neuen Fabriken in den wachsenden Städten, Handwerker aus den angrenzenden Ländern trieben das Gewerbe voran. Die vielfältigen Stimmen dieser Schweizer Migrationsgeschichte schlummern in den Archiven, Erinnerungen und Familienalben. Es sollte also nicht vergessen werden, dass die Schweiz einen durchaus auch kritischen Kosmopolitismus beheimatete, der im Projekt des nation buildings im 20. Jahrhundert und der damit verbundenen postkolonialen Amnesie zusehends vergessen wurden. Verdrängt wurde auch, dass im Zuge dieser Geschichte zwei Formen der kulturellen Vielfalt in der Schweiz unterschieden und strukturell ungleich behandelt werden: Die Vielfalt der Sprachregionen und Konfessionen, die seit 1848 offiziell zur Nation gehören, ist im politischen System verankert, wird von der Kulturpolitik gefördert und definiert die Schweiz weltweit anerkannt als multiethnische Nation. Dann ist da die andere, die migrantische Vielfalt, die zwar ebenfalls grundlegend für die Geschichte der Schweiz ist, aber durch die Ausländergesetzgebung und Integrationspolitik gegängelt und marginalisiert wird. Sie soll nicht zur Nation gehören. Ein Gedankenexperiment: Portugiesisch und Albanisch werden heute von mehr Schweizer*innen gesprochen als Rätoromanisch. Was spräche gegen eine ergebnisoffene Debatte über neue Landessprachen in der Schweiz? Migration und eidgenössische Vielfalt hängen auch deswegen faktisch längst zusammen, weil die Sprachregionen der Schweiz nicht erst seit gestern Einwanderung aus sprachlich verwandten Ländern anziehen. So hat man jüngst auch festgestellt, dass das Rätoromanische durch die Einwanderung von Portugies*innen nach Graubünden gestärkt wird.

Die Frage nach dem gemeinsamen Nenner in der gelebten Vielfalt stellt für jede Gesellschaft – auch ohne Migration – eine Herausforderung dar. Was sind die universellen Institutionen, Verfahren, Werte, Selbstbilder und Geschichten auf denen eine plurale Einwanderungsgesellschaft bauen kann, die den Anspruch hat demokratisch zu sein? Und was hiesse vor diesem Hintergrund eine Anerkennung von migrationsbedingter Vielfalt? Aktuell gibt es keine fertigen Antworten auf diese Frage. Doch klar ist: Solange im migrationspolitischen Diskurs vornehmlich Ängste geschürt und Feindbilder geschaffen werden, vergibt man die Chance auf einen gesellschaftlichen Prozess, der in der Lage wäre, dieser Frage für die konkreten Bedingungen der heutigen Schweiz nachzugehen.
Die Debatte um Migration und Vielfalt bedeutet ein Ringen darum, wer dazu gehört und wer nicht. Dieses Ringen um Inklusion und Exklusion, Zugehörigkeit und Teilhabe betrifft nicht nur die kulturelle, sondern auch die rechtliche, soziale, politische und ökonomische Ebene. Kurzum: Anerkennung von Vielfalt, Demokratie und soziale Gerechtigkeit hängen eng zusammen. Wenn man die gelebte Vielfalt in der Einwanderungsgesellschaft Schweiz demokratisch gestalten will, reicht es daher nicht, auf interkulturelles Kommunikationstraining bzw. technokratisches diversity management zu setzen. Man müsste bereit sein, die Schweiz im globalen historischen Zusammenhang zu sehen und als eine permanente soziokulturelle Baustelle zu verstehen, im Sinne Max Frischs als ein permanent Werdendes statt ein bereits fertig Gewordenes. Institutionen und Imaginationen müssten dem Rechnung tragen, dass sich das "Eigene", also das "Wir" der Schweiz auch durch Migration fortlaufend verschiebt und verändert.

INES möchte der vielschichtigen Realität der Vielfalt in der Schweiz im globalen Zusammenhang in diesem Sinne explorativ in den Blick nehmen und fragen: Welche Bilder, Erzählungen, Begriffe, Konzepte, Institutionen und gesetzlichen Regelungen für Vielfalt existieren aktuell und welche bräuchten wir, um der postkolonialen und postmigrantischen Einwanderungsgesellschaft gerecht zu werden? Und wie hängt migrationsbedingte Vielfalt mit anderen Formen von Vielfalt zusammen, etwa in Hinblick auf soziale Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung und körperliche Befähigung. Zu guter Letzt: Wie gelangen wir von einem oberflächlichen Verständnis von Diversity hin zu einer Tiefe, einer #DeepDiversity, die es erlaubt die #NeueSchweiz zu imaginieren und zu realisieren. Zusammen mit Expert*innen aus den Bereichen Kultur, Wissen, Bildung, Medien, Recht sowie weiteren Kompliz*innen entwickelt INES ab Herbst 2017 in einem partizipativen und experimentellen Prozess ein Bildarchiv, ein Glossar sowie eine Storytelling-Plattform, die tiefere Schichten von gelebter Vielfalt in der Schweiz sichtbar machen sollen. Durch die kritische und innovative Analyse und Produktion von Bildern, Begriffen und Narrativen von Vielfalt sollen neue Spielräume für die Praxis geschaffen werden.

 

 

 

Literatur

 

Sara AhmedOn Being Included. Racism and Diversity in Institutional Life(Durham: Duke UP2012).

Kijan Espahangizi'Im Wartesaal der Integration. Ankommen in der postmigrantischen Gesellschaft', Terra Cognita., 27 (Eidgenössische Kommission für Migration2015), 104-109.

Nancy Fraser und Axel HonnethRedistribution or Recognition? A Political-Philosophical Exchange(London: Verso2001).

Patricia Purtschert, Barbara Lüthi und Francesca Falk (Hg.)Postkoloniale Schweiz. Formen und Folgen eines Kolonialismus ohne Kolonien(Bielefeld: Transcript2012).

Mark TerkessidisInterkultur(Berlin: Suhrkamp2010).

Willi WottrengEin einzig Volk von Immigranten(Orell Füssli2000).

Ein Civil Rights Movement in der Schweiz? Das vergessene Erbe der Mitenand-Bewegung (1974–1990)

Samstag, 13. Oktober 2018

Von Kijan Espahangizi

 

«Die hier versammelten Frauen und Männer, Ausländer und Schweiz, alles Bewohner dieses Landes, fordern das Schweizervolk und die Regierungen, Parlamente und Verwaltungen in Bund, Kantonen und Gemeinden auf, die Maximen der Humanität und Solidarität endlich auch in der Ausländerpolitik unseres Landes zu verwirklichen. [...] Wir fordern eine Politik, die davon ausgeht, dass der Ausländer ein Mensch gleichen Rechts und gleicher sozialer Ansprüche wie der Schweizer ist.»

#DeepDiversity

Les enjeux de la citoyenneté dans un contexte migratoire
5.Dezember 2018 17:30

 

Le Campus pour la Démocratie met en réseau à Neuchâtel

Comment favoriser la participation citoyenne des personnes d’origine migratoire? Comment faire en sorte que les intérêts de cette population soient davantage représentés dans les décisions politiques? Quels sont les outils et les méthodes appropriées pour renforcer l’inclusion des personnes sans passeport suisse dans la vie publique ? Quels sont les obstacles pour consolider les pratiques démocratiques en Suisse?

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

An dieser Stelle wird das Glossar #NeueSchweiz zukünftig die relevanten Begriffe vorstellen, um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz zu verstehen – fundiert und kritisch. Ausgangslage bilden die beiden Begriffe #NeueSchweiz und #DeepDiversity.

Ultimative Story aus dem Krieg

Dienstag, 6. November 2018

Von Milenko Lazić

 

Zastava 128

Vorwort

Gewisse Leute, die ich mit der Zeit kennenlernte, fragten immer, und wie war's, im Krieg zu leben? Was ist das für ein Gefühl, aus einer Kriegsregion zu flüchten? Bitte, erzähl uns ein wenig! Und ich sage dann immer, ja nicht viel besser, als dann anschliessend in der Nähe vom Needlepark zu wohnen. Die ersten Leichen habe ich auf den Strassen von Zürich gesehen. Ja, ja, wir alle kennen den Platzspitz. Wie war's in Bosnien im Krieg? Erzähl's uns!

#NeueSchweiz

Dawill: “Die Schweiz ist nüchtern betrachtet meine Heimat”

Montag, 3. September 2018

Von Uğur Gültekin

 

Fotografie: Jojo Schulmeister

Lange waren die Aushängeschilder der Schweizer Rap-Szene weiss, schweizerisch und mittelständisch. Spätestens seit dem Auftauchen der Berner Formation S.O.S. vor einigen Jahren hat sich das geändert. Die Crew um die beiden Rapper Dawill und Nativ verkörpert eine neue Schweizer Realität. Eine Realität in der Mehrfachzugehörigkeiten und transnationale Lebenswelten nichts Exotisches, sondern vor allem einfach eins sind: Normalität. Uğur Gültekin hat sich mit Dawill über den Begriff der Heimat, sein Umfeld in Bern, seine Beziehung zur DomRep und die Perspektiven auf eine #NeueSchweiz unterhalten.

"Scheinbevölkerung "

Dienstag, 11. September 2018

Von Jurczok 1001 (Text & Performance)

 

Wer ist das Volk? Und wer nimmt sich das Recht, in seinem Namen zu sprechen? Warum lassen wir uns von rechtspopulistischer Rhetorik einlullen oder erstarren ohnmächtig davor? Der Spokenword-Künstler Jurczok 1001 liefert eine beissende und poetische Analyse – die unter die Haut geht.

Brennende Unschärfe - offener Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga

Freitag, 21. September 2018

Von Paola De Martin

 

Die Autorin, heute ETH-Doktorandin, im Alter von 11 Jahren mit ihrem Vater, Rodolfo De Martin, Bauarbeiter, an einer Festa degli emigranti in der Nähe von Zürich (1976). Fotographie: Privates Archiv der Autorin. Copyright Paola De Martin.

„Natürlich sollten wir zum Beispiel den ETH-Professoren aus dem Ausland das Recht geben, mit ihren Kindern in die Schweiz zu kommen, aber doch nicht den Arbeitern auf dem Bau und in der Landwirtschaft oder den Leuten im Gastgewerbe. Das ist doch nicht nötig, von denen gibt es ja genug.“

– Luzi Stamm, SVP-Vertreter, in einem Interview mit Radio SRF, nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative, 2014.

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Glossar #NeueSchweiz

 

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