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Warum mich Mani Matter mehr zum Schweizer gemacht hat als meine Einbürgerung

Montag, 15. April 2019

Von Uğur Gültekin

 

Dieser Artikel wurde im September 2016 über Noisey veröffentlicht. Er erscheint auf dem INES-Blog mit der freundlichen Genehmigung von Vice Schweiz.

Ich bin 1988 im Alter von vier Jahren mit meinen Eltern aus Nordkurdistan über die Mittelmeerroute in die Schweiz geflüchtet. Für mich sollte Mani Matter eine entscheidende Rolle beim Kennenlernen meiner neuen Heimat und bei meiner Sozialisation spielen.

Meinen ersten Kontakt mit den Liedern Mani Matters hatte ich 1995 im Alter von 11 Jahren. Damals fand ich die Texte vor allem einfach witzig und unterhaltsam. Es machte mir Spass, sie im Musikunterricht auswendig zu lernen und mit der ganzen Klasse zu singen. Dass hinter der Story des Todes eines stadtbekannten Katers im Lied "Dr Ferdinand isch gstorbe" verschiedene Ebenen und Interpretationsmöglichkeiten stecken, sollte sich mir erst einige Jahre später erschliessen. Bis heute bin ich überrascht, wie Matter und seine Texte mich berühren, mich gedanklich anregen und mich, je nach meiner Entwicklungsstufe und meinem Wissensstand, immer wieder neu herausfordern und mir ungesehene Blickwinkel auf Thematiken ermöglichen. So entwickelte sich das fröhliche Festlied zum Abgang eines verstorbenen Katers, in das ich nichts weiter interpretierte, mit den Jahren zu einem Lobgesang auf alle Paradiesvögel, auf alle stadtbekannten bunten Hunde und Originale und deren alternativen Lebensentwürfe, die möglicherweise eher zum Scheitern prädestiniert sind. Mani Matters Lieder sind nicht einfach nur Produkte, die man konsumiert. Der Zuhörer und seine Reflexion machen die Lieder zu dem, was sie sind. Sie können nicht nur für jeden Einzelnen etwas anderes aussagen, nein, auch ein Einzelner kann einen einzigen Song Mani Matters auf verschiedene Arten interpretieren.

Mani Matter—"Dr Ferdinand"
"dr Ferdinand isch gschtorbä oje oje oje
dr Ferdinand isch gschrorbä es duät mer hüt nu we,
er wo so vill hät gworbä um liäbi im Quartier,
dr Ferdinand isch gschtorbä das armä Tier"

Ich bin 1988 im Alter von vier Jahren mit meinen Eltern aus Nordkurdistan über die Mittelmeerroute in die Schweiz geflüchtet. Für mich sollte Mani Matter eine entscheidende Rolle beim Kennenlernen meiner neuen Heimat und bei meiner Sozialisation spielen: Er brachte mir in der Primarschule mit "E Löl, e blöde sie, e glünggi un e sürmel" nicht nur lustige schweizerdeutsche Schimpfwörter bei, sondern weckte in mir​ mit seiner Verspieltheit in Liedern wie "Heidi", "S Lotti schilet" oder "Dialog im Strandbad" die Freude an den Eigenheiten der schweizerdeutschen Dialekte. Seine Lieder bauten definitiv auch eine Brücke zu meinen Schweizer Mitschülern und zu deren Kultur. Mani Matter vermittelte mir urschweizerische Werte wie Zurückhaltung auf "Hemmige" oder Pragmatik und Gelassenheit mit "Zündhölzli" und entfachte damit vielleicht auch einen kleinen Kampf der Kulturen in mir.

Mani Matter—"Schimpfwörter si Glückssach"
"e Löl, e blöde Siech, e Glünggi un e Sürmel
hei einisch zämme Krach gha, es risegrosses Gstrürm u
dr Glünggi het zum Löl gseit, är syg e blöde Siech
und dr isch sofort zum Sürmel, was ja o nid jede miech"

Wenn ich jemandem die Schweiz erklären dürfte, wenn ich dieser Person erzählen dürfte, wie wir hier denken, wie wir reden, fühlen und die Welt sehen: Ich würde ihr Mani Matters Lieder vorspielen. Sie sind ein Psychogram der Schweiz, ihrer Bewohner, ihrer Geschichte und den daraus resultierenden Gepflogenheiten. Dass die Lieder auch über 40 Jahren nach Matters Tod nicht an Relevanz und Aktualität eingebüsst haben, beweist, was für ein grosser Chansonier, Lyriker und Analytiker er war. Mani Matter ist auch heute noch relevant, was sich an seiner grossen Popularität innerhalb der Schweizer Bevölkerung messen lässt. Offenbar trifft er auch 40 Jahre nach seinem Tod den Nerv der Zeit, weil er in seinen Texten für die Grundvoraussetzungen von gesunden, demokratischen Debatten argumentierte: Er plädierte mit Liedern wie "Dr Alpeflug" fürs Zuhören und fürs Aufeinanderzugehen und forderte die Menschen mit Chansons wie "Ir Ysebahn" zum Perspektivenwechsel und zur Empathie auf. Obwohl ihm dabei das aktuelle Zeitgeschehen, allem voran wohl die Psychologie des Kalten Kriegs, und sein persönlicher Erfahrungsschatz aus seinem eigenen Leben als Inspirationsquelle dienten, können diese Plädoyers ganz einfach auch auf aktuelle Themen der heutigen Zeit angewandt werden.

Mani Matter—"Dr Alpeflug"
"Da rüef dä wo hinde sitzt: 'Lue ds Bänzin geit us, muesch lande'
'Wie? Was seisch', rüeft dr Pilot, 'los, i ha di nid verstande'
'Wie? Was hesch gseit', rüeft dä hinde, 'warum landisch nid sofort?'
'Red doch lüter', rüeft dä vorne, 'bi däm krach ghör i kes Wort'"

Was ich an Mani Matters Werk auch sehr bemerkenswert finde, ist, dass seine Kunst grosse Teile der Bevölkerung berührt, und sich sehr viele junge Menschen mit seinem Werk auseinandersetzen, aufrichtig identifizieren können und darum auch immer wieder Bezug darauf nehmen. Die Identifizierung mit lokaler Kultur, die sich in einer lokalen Sprache mit ebenso lokalen Themen und Inhalten beschäftigt, kann vor allem bei jungen Menschen eine wichtige Rolle bei der Bildung eines gesunden Gemeinschaftsgefühls spielen. In einer Zeit, in der traditionelle Schweizer Kultur vor allem vom rechten politischen Spektrum für sich vereinnahmt wird, in der Jodel, das Handörgeli und das Hackbrett als rechts, ländlich und konservativ kategorisiert werden, hat sich Mani Matters Werk zu einer neuen Ausprägung von Schweizer Folklore entwickelt, die auch Jungen, Urbanen und Zugezogenen Heimatgefühle vermittelt und Identität stiftet. Sein Werk verzichtet dabei gänzlich auf die Ideologisierung und Instrumentalisierung des Begriffs der Heimat und ist trotzdem gesellschaftspolitisch relevant, nimmt subtil, aber ganz bestimmt klare Positionen ein in der laufenden Wertedebatte und widerspiegelt dabei höchst präzis die Seele und den Rhythmus der Schweiz, sodass jeder "Swissness"-Marketingexperte blass wird vor Neid. Und: Mani Matter schliesst die Rechten, Ländlichen und Konservativen dennoch nicht aus.

Mani Matter—"Ir Ysebahn"
"ir Ysebahn sitze die einte eso
dass si alles was chunnt scho zum Vorus gseh cho
und dr Rügge zuechehre dr Richtigig vo wo… dr Zug chunt
die andere sitze im Bank vis-à-vis
dass si lang no chöi gseh wo dr Zug scho isch gsy
und dr Rügge zuechehre dr Richtig wohi… dr Zug fahrt"

Nicht nur wegen der Freude am Spiel mit der Mundartsprache und somit der Liebe zu einem wichtigen Teil der schweizerischen Eigenheit und Identität, mochte ich Mani Matter von Anfang an. Es war auch nicht alleine die Doppelbödigkeit seiner Texte oder seine Fähigkeit, die kompliziertesten Sachverhalte aufs Wesentlichste zu komprimieren, nein. Je älter ich wurde, desto stärker setzte ich mich mit den Inhalten hinter den Texten auseinander und mir wurde klar: Mir gefallen Mani Matters Positionen. Zumindest wie ich diese verstehe und interpretiere. Im Lied "Dene wos guet geyt" singt er unmissverständlich von Chancengleichheit und von Einkommens- und Vermögensverteilung. Er betont dabei die Wichtigkeit von sozialer Gerechtigkeit und dass es für das Erreichen genau dieser, Zugeständnisse seitens der oberen Schichten und der wirtschaftlichen Elite braucht, dass eine gerechtere Gesellschaft eine stabilere ist und dass das letztendlich allen Teilen der Gesellschaft zugutekommt.

Im Chanson "Dynamit" macht er sich nicht nur Gedanken über die Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit der Demokratie, sondern stellt gleichwohl die Fragen, wieviel hinter dem grossen Versprechen der Demokratie wirklich steckt und was eine offene und pluralistische Gesellschaft an Meinungen und Ansichten ertragen muss, soll und kann. "Usemene leere gygechaste" ist eine klare Positionierung gegen den Krieg, mit seiner ganzen Brutalität und seinem Vernichtungswahn. Das Lied spitzt die Aussage zu, dass die Kriege der Welt auf dem Rücken des kleinen Mannes ausgetragen werden und die unteren Schichten einer Gesellschaft die Leidtragenden dieser Auseinandersetzungen sind. "Dr Hansjakob & S Babettli" kann als Aufforderung an Medien und Gesellschaft verstanden werden, stets das Handeln der Obrigkeiten in Frage zu stellen, sich, wenn nötig, gegen diese aufzulehnen und gegen Ungerechtigkeiten zu protestieren. Alles Themen und Fragen, die auch heute noch hochaktuell sind und keineswegs an Brisanz verloren haben—im Gegenteil.

Mani Matter—"Dene wos guet geit"
"dene wos guet geit giengs besser
giengs dene besser wos weniger guet geit
was aber nid geit ohni dass's dene
weniger guet geit wos guet geit
drum geit weni für dass es dene
besser geit wos weniger guet geit
und drum geits o dene nid besser
wos guet geit"

Was bleibt, sind mehr als nur Mani Matters Lieder. Es bleiben seine Ansichten, sein Blick auf die Schweiz und die Welt und die daraus resultierende Haltung. Ich verstehe sein Werk unter anderem als ein Statement für eine durchlässige Gesellschaftsstruktur, eine demokratische Wirtschaftsordnung und eine humanistische Grundhaltung. Ich frage mich, wie Mani Matter die grossen Probleme unserer Zeit, wie die sogenannte Flüchtlingskrise, die Klimaerwärmung oder den aufstrebenden Populismus kommentiert und reflektiert hätte. Und habe eine konkrete Antwort darauf: Ich muss seine Lieder hören.

 

 

Ein Civil Rights Movement in der Schweiz? Das vergessene Erbe der Mitenand-Bewegung (1974–1990)

Samstag, 13. Oktober 2018

Von Kijan Espahangizi

 

«Die hier versammelten Frauen und Männer, Ausländer und Schweiz, alles Bewohner dieses Landes, fordern das Schweizervolk und die Regierungen, Parlamente und Verwaltungen in Bund, Kantonen und Gemeinden auf, die Maximen der Humanität und Solidarität endlich auch in der Ausländerpolitik unseres Landes zu verwirklichen. [...] Wir fordern eine Politik, die davon ausgeht, dass der Ausländer ein Mensch gleichen Rechts und gleicher sozialer Ansprüche wie der Schweizer ist.»

#NeueSchweiz

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

An dieser Stelle wird das Glossar #NeueSchweiz zukünftig die relevanten Begriffe vorstellen, um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz zu verstehen – fundiert und kritisch. Ausgangslage bilden die beiden Begriffe #NeueSchweiz und #DeepDiversity.

Ultimative Story aus dem Krieg

Dienstag, 6. November 2018

Von Milenko Lazić

 

Zastava 128

Vorwort

Gewisse Leute, die ich mit der Zeit kennenlernte, fragten immer, und wie war's, im Krieg zu leben? Was ist das für ein Gefühl, aus einer Kriegsregion zu flüchten? Bitte, erzähl uns ein wenig! Und ich sage dann immer, ja nicht viel besser, als dann anschliessend in der Nähe vom Needlepark zu wohnen. Die ersten Leichen habe ich auf den Strassen von Zürich gesehen. Ja, ja, wir alle kennen den Platzspitz. Wie war's in Bosnien im Krieg? Erzähl's uns!

Notunterkünfte im Kt. Zürich -"Wo recht zum Unrecht wird"

Dienstag, 12. Februar 2019

Von Stimmen der neuen Schweiz

 

Notunterkunft im Kanton Zürich.

In den sozialen Medien kursiert seit Wochen ein Video, das die Situation in den sogenannten Notunterkünften für abgewiesene Geflüchtete im Kanton Zürich dokumentiert. Im Video prangern die MacherInnen des Videos die unhaltbaren Zustände dieses Unterbringungstyps an und haben eine Petition lanciert, die die Schliessung dieser Unterkünfte fordert. Wir haben mit den Verantwortlichen des Videos über ihre Motive und Forderungen, aber auch über die Situation der Menschen in den Unterkünften gesprochen.

Friends of INES: #NeueSchweiz will not be televised

Mittwoch, 6. März 2019

Von Mardoché Kabengele & Stimmen der Neuen Schweiz

 

Am Samstag, 02.03.2019 fand in der Kulturbar Werkhof 102 in Bern die erste Mitgliederversammlung des Vereins “Friends of INES” (FRINES) statt. FRINES ist der Unterstützerverein hinter INES und versammelt Menschen, die INES mittragen und supporten wollen. Der FRINES-Vorstand hatte zu dieser Mitgliederversammlung eingeladen. Ziel war es mit den Mitgliedern und Gästen eine Vision für FRINES zu entwickeln. Ein Rückblick auf die Veranstaltung von FRINES-Vorstandsmitglied Mardoché Kabengele.

Geboren um zu bleiben

Mittwoch, 27. März 2019

Von Samira

 

Ich bin die Schweiz, manchmal -
und lebe die Schweiz
wie alle anderen auch....

Color Blind? Ein sehbehinderter POC und seine Erfahrungen mit Rassismus

Mittwoch, 10. April 2019

Von Mardoché Kabengele. Transkribiert und redigiert von Luana Beerli und Ugur Gültekin

 

Für People of Color und Menschen mit Migrationsvordergrund ist Rassismus und Benachteiligung auch in der Schweiz ein nicht wegdiskussierbarer Fakt. Diese Menschen haben Rassismus gespürt, erlebt und gesehen. Für diesen Artikel haben sich “Stimmen der Neuen Schweiz” und der junge Berner Aktivist Mardoché Kabengele die Frage gestellt, wie Rassismus auf einen POC wirkt, für den der Aspekt des Sehens wegfällt. Entstanden ist ein Gespräch mit Lenthe Manukumar Basant, dessen Werdegang eine komplexe globale Migrationsgeschichte darstellt. Lenthe ist seit seinem sechsten Lebensjahr sehbehindert. Ein Gespräch über die persönlichen Ausgrenzungserfahrungen eines blinden POC und seine Sicht auf das System Rassismus.

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Von Uğur Gültekin

 

Ich bin 1988 im Alter von vier Jahren mit meinen Eltern aus Nordkurdistan über die Mittelmeerroute in die Schweiz geflüchtet. Für mich sollte Mani Matter eine entscheidende Rolle beim Kennenlernen meiner neuen Heimat und bei meiner Sozialisation spielen.

#DeepDiversity

Ostschweiz mit Migrationsvordergrund. Eine lokale Initiative der Neuen Schweiz im Aufbau

Freitag, 26. April 2019

Von Kollektiv Ostwind

 

Foto von: Zahra Ghafouri

Das noch junge Kollektiv «Ostschweiz mit Migrationsvordergrund» organisierte diesen kürzlich zwei Generationengespräche in den Städten Rorschach und Wil. Menschen aus Einwandererfamilien und mit Migrationsvordergrund aus drei Generationen diskutierten ihre Erfahrungen zu Alltagsrassismus und ihr Engagement für mehr Demokratie. So unterschiedlich ihre Geschichten sind, sie alle haben genug von alten Zöpfen, heiligen Kühen und ausschliessenden Landsgemeinden. Die Gespräche über verschiedenen Generationen hinweg bringen viel Wissen und Erfahrung zusammen, die erlauben, neu und anders über die Schweiz nachzudenken.

Sound der neuen Schweiz – La Neferra

Montag, 6. Mai 2019

Von Luana Beerli

 

Fotografie von Katharina Halser

In unserer Artikelreihe “Sound der neuen Schweiz” porträtieren wir Musikerinnen und Musiker, die den Soundtrack zur neuen Schweiz liefern. Heute: Rapperin La Nefera. Mit zehn Jahren kam die gebürtige Dominikanerin in die Schweiz, schloss ihr Studium in sozialer Arbeit ab und gilt mit ihrer Musik als eine der relevantesten Rapperinnen der Schweiz.

Luana Beerli hat sich mit La Nefera über Intersektionalität, den Begriff der Heimat und den Sexismus und Rassismus in unserer Gesellschaft unterhalten.

Hautverdächtig – Rassistische Polizeikontrollen auf der Anklagebank

Donnerstag, 16. Mai 2019

Von Mohamed Wa Baile und Ellen Höhne

 

»Hautverdächtig« ist die theatralische Dokumentation und Reinszenierung eines Schweizer Gerichtsfalls zu Racial Profiling, der im Jahr 2015 begann und mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig ist. Dieser experimentelle Text bringt die institutionalisierte Diskriminierungspraxis der Polizei ans Licht, in der täglich Menschen verdächtigt, willkürlich aufgehalten und als Rassisierte ausgeschlossen werden.

Benjamin Amaru: Sound der neuen Schweiz

Dienstag, 12. März 2019

Von Luana Beerli

 

Fotografie: Flavio Leone

In unserer Artikelreihe “Sound der neuen Schweiz” porträtieren wir junge Musikerinnen und Musiker, die den Soundtrack zur neuen Schweiz liefern. Heute: Singer / Songwriter Benjamin Amaru, der als viel versprechender Newcomer der Schweizer Musikszene gilt. Anfangs Februar 2019 veröffentlichte er seine Debut-EP «Real Fake Rebel».
Luana Beerli hat sich mit Benjamin über dessen Musik, Mehrfachzugehörigkeit und Assimilation unterhalten.

Dawill: “Die Schweiz ist nüchtern betrachtet meine Heimat”

Montag, 3. September 2018

Von Uğur Gültekin

 

Fotografie: Jojo Schulmeister

Lange waren die Aushängeschilder der Schweizer Rap-Szene weiss, schweizerisch und mittelständisch. Spätestens seit dem Auftauchen der Berner Formation S.O.S. vor einigen Jahren hat sich das geändert. Die Crew um die beiden Rapper Dawill und Nativ verkörpert eine neue Schweizer Realität. Eine Realität in der Mehrfachzugehörigkeiten und transnationale Lebenswelten nichts Exotisches, sondern vor allem einfach eins sind: Normalität. Uğur Gültekin hat sich mit Dawill über den Begriff der Heimat, sein Umfeld in Bern, seine Beziehung zur DomRep und die Perspektiven auf eine #NeueSchweiz unterhalten.

Brennende Unschärfe - offener Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga

Freitag, 21. September 2018

Von Paola De Martin

 

Die Autorin, heute ETH-Doktorandin, im Alter von 11 Jahren mit ihrem Vater, Rodolfo De Martin, Bauarbeiter, an einer Festa degli emigranti in der Nähe von Zürich (1976). Fotographie: Privates Archiv der Autorin. Copyright Paola De Martin.

„Natürlich sollten wir zum Beispiel den ETH-Professoren aus dem Ausland das Recht geben, mit ihren Kindern in die Schweiz zu kommen, aber doch nicht den Arbeitern auf dem Bau und in der Landwirtschaft oder den Leuten im Gastgewerbe. Das ist doch nicht nötig, von denen gibt es ja genug.“

– Luzi Stamm, SVP-Vertreter, in einem Interview mit Radio SRF, nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative, 2014.

"Scheinbevölkerung "

Dienstag, 11. September 2018

Von Jurczok 1001 (Text & Performance)

 

Wer ist das Volk? Und wer nimmt sich das Recht, in seinem Namen zu sprechen? Warum lassen wir uns von rechtspopulistischer Rhetorik einlullen oder erstarren ohnmächtig davor? Der Spokenword-Künstler Jurczok 1001 liefert eine beissende und poetische Analyse – die unter die Haut geht.

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Dienstag, 6. November 2018

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Gewisse Leute, die ich mit der Zeit kennenlernte, fragten immer, und wie war's, im Krieg zu leben? Was ist das für ein Gefühl, aus einer Kriegsregion zu flüchten? Bitte, erzähl uns ein wenig! Und ich sage dann immer, ja nicht viel besser, als dann anschliessend in der Nähe vom Needlepark zu wohnen. Die ersten Leichen habe ich auf den Strassen von Zürich gesehen. Ja, ja, wir alle kennen den Platzspitz. Wie war's in Bosnien im Krieg? Erzähl's uns!

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Mittwoch, 6. März 2019

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Am Samstag, 02.03.2019 fand in der Kulturbar Werkhof 102 in Bern die erste Mitgliederversammlung des Vereins “Friends of INES” (FRINES) statt. FRINES ist der Unterstützerverein hinter INES und versammelt Menschen, die INES mittragen und supporten wollen. Der FRINES-Vorstand hatte zu dieser Mitgliederversammlung eingeladen. Ziel war es mit den Mitgliedern und Gästen eine Vision für FRINES zu entwickeln. Ein Rückblick auf die Veranstaltung von FRINES-Vorstandsmitglied Mardoché Kabengele.

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Mittwoch, 10. April 2019

Von Mardoché Kabengele. Transkribiert und redigiert von Luana Beerli und Ugur Gültekin

 

Für People of Color und Menschen mit Migrationsvordergrund ist Rassismus und Benachteiligung auch in der Schweiz ein nicht wegdiskussierbarer Fakt. Diese Menschen haben Rassismus gespürt, erlebt und gesehen. Für diesen Artikel haben sich “Stimmen der Neuen Schweiz” und der junge Berner Aktivist Mardoché Kabengele die Frage gestellt, wie Rassismus auf einen POC wirkt, für den der Aspekt des Sehens wegfällt. Entstanden ist ein Gespräch mit Lenthe Manukumar Basant, dessen Werdegang eine komplexe globale Migrationsgeschichte darstellt. Lenthe ist seit seinem sechsten Lebensjahr sehbehindert. Ein Gespräch über die persönlichen Ausgrenzungserfahrungen eines blinden POC und seine Sicht auf das System Rassismus.

#DeepDiversity

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Freitag, 26. April 2019

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Foto von: Zahra Ghafouri

Das noch junge Kollektiv «Ostschweiz mit Migrationsvordergrund» organisierte diesen kürzlich zwei Generationengespräche in den Städten Rorschach und Wil. Menschen aus Einwandererfamilien und mit Migrationsvordergrund aus drei Generationen diskutierten ihre Erfahrungen zu Alltagsrassismus und ihr Engagement für mehr Demokratie. So unterschiedlich ihre Geschichten sind, sie alle haben genug von alten Zöpfen, heiligen Kühen und ausschliessenden Landsgemeinden. Die Gespräche über verschiedenen Generationen hinweg bringen viel Wissen und Erfahrung zusammen, die erlauben, neu und anders über die Schweiz nachzudenken.

Hautverdächtig – Rassistische Polizeikontrollen auf der Anklagebank

Donnerstag, 16. Mai 2019

Von Mohamed Wa Baile und Ellen Höhne

 

»Hautverdächtig« ist die theatralische Dokumentation und Reinszenierung eines Schweizer Gerichtsfalls zu Racial Profiling, der im Jahr 2015 begann und mittlerweile vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig ist. Dieser experimentelle Text bringt die institutionalisierte Diskriminierungspraxis der Polizei ans Licht, in der täglich Menschen verdächtigt, willkürlich aufgehalten und als Rassisierte ausgeschlossen werden.

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Wer ist das Volk? Und wer nimmt sich das Recht, in seinem Namen zu sprechen? Warum lassen wir uns von rechtspopulistischer Rhetorik einlullen oder erstarren ohnmächtig davor? Der Spokenword-Künstler Jurczok 1001 liefert eine beissende und poetische Analyse – die unter die Haut geht.

#NeueSchweiz

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

An dieser Stelle wird das Glossar #NeueSchweiz zukünftig die relevanten Begriffe vorstellen, um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz zu verstehen – fundiert und kritisch. Ausgangslage bilden die beiden Begriffe #NeueSchweiz und #DeepDiversity.

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Mittwoch, 27. März 2019

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und lebe die Schweiz
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Warum mich Mani Matter mehr zum Schweizer gemacht hat als meine Einbürgerung

Montag, 15. April 2019

Von Uğur Gültekin

 

Ich bin 1988 im Alter von vier Jahren mit meinen Eltern aus Nordkurdistan über die Mittelmeerroute in die Schweiz geflüchtet. Für mich sollte Mani Matter eine entscheidende Rolle beim Kennenlernen meiner neuen Heimat und bei meiner Sozialisation spielen.

Sound der neuen Schweiz – La Neferra

Montag, 6. Mai 2019

Von Luana Beerli

 

Fotografie von Katharina Halser

In unserer Artikelreihe “Sound der neuen Schweiz” porträtieren wir Musikerinnen und Musiker, die den Soundtrack zur neuen Schweiz liefern. Heute: Rapperin La Nefera. Mit zehn Jahren kam die gebürtige Dominikanerin in die Schweiz, schloss ihr Studium in sozialer Arbeit ab und gilt mit ihrer Musik als eine der relevantesten Rapperinnen der Schweiz.

Luana Beerli hat sich mit La Nefera über Intersektionalität, den Begriff der Heimat und den Sexismus und Rassismus in unserer Gesellschaft unterhalten.

Benjamin Amaru: Sound der neuen Schweiz

Dienstag, 12. März 2019

Von Luana Beerli

 

Fotografie: Flavio Leone

In unserer Artikelreihe “Sound der neuen Schweiz” porträtieren wir junge Musikerinnen und Musiker, die den Soundtrack zur neuen Schweiz liefern. Heute: Singer / Songwriter Benjamin Amaru, der als viel versprechender Newcomer der Schweizer Musikszene gilt. Anfangs Februar 2019 veröffentlichte er seine Debut-EP «Real Fake Rebel».
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Brennende Unschärfe - offener Brief an Bundesrätin Simonetta Sommaruga

Freitag, 21. September 2018

Von Paola De Martin

 

Die Autorin, heute ETH-Doktorandin, im Alter von 11 Jahren mit ihrem Vater, Rodolfo De Martin, Bauarbeiter, an einer Festa degli emigranti in der Nähe von Zürich (1976). Fotographie: Privates Archiv der Autorin. Copyright Paola De Martin.

„Natürlich sollten wir zum Beispiel den ETH-Professoren aus dem Ausland das Recht geben, mit ihren Kindern in die Schweiz zu kommen, aber doch nicht den Arbeitern auf dem Bau und in der Landwirtschaft oder den Leuten im Gastgewerbe. Das ist doch nicht nötig, von denen gibt es ja genug.“

– Luzi Stamm, SVP-Vertreter, in einem Interview mit Radio SRF, nach der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative, 2014.

INES